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Full text of "Geologische Skizzen aus der Umgebung Aussigs"

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Skizzen 

aus der Umgebung Aussigs. 

Eine Anleitung zur selbständigen Naturbeobachtung und ein Beitrag zur 
o? Heimatkunde, isd 

Mit 16 Original-Lichtdrucktafeln und 17 Abbildungen im Text. 

Von 

DR. GEORG BRUDER, 

k. k. Gymnasial-Professor. 




(Kugel-Basalt von Kulm.) 
-■- Veröffentlicht mit Unterstützung der Stadtgemeinde Aussig. 

Besonders abgedruckt aus dem Programm des k. k. Kaiser Franz Josef-Staatsgymnasiums 

in Aussig, 1903. 

AUSSIG, 1904. 
Verlag von Ad. Becker's Buchhandlung (Ed. Miksch). 

Druck von Rudolf Becker. 




Geologische Skizzen 

aus der 

Umgebung Aussigs. 

Eine Anleitung zur selbständigen Naturbeobachtung. 

Mit 16 Original-Lichtdrucktafeln und 17 Abbildungen im Text. 

Von 

GEORG BRUDER, 

k. k. Gymnasial-Professor. 




Veröffentlicht mit Unterstützung der Stadtgemeinde Aussig. 
AUSSIG, 1904. 

Verlag von Ad. Becker's ftuchhandlung (Fd. Mikscli). 
Druck von Rudolf liecker. 



Vorwort. 



Die Bahn zu Gott kann die Natur dir zeigen, 
Doch kannst du bis zu ihm empor nicht steigen, 
Die Endlichkeit schließt dir das Tor ! 



Von hervorragender Bedeutung für die Erziehung der Jugend 



ist unter den Naturwissenschaften auch die Geologie. Doch wird ihr 
hoher Wert nur selten richtig geschätzt, obwohl ohne sie ein wahres 
Verständnis der Lehren der Mineralogie, Geographie und Biologie nicht 
erreichbar ist. In der Regel begnügt man sich mit der Beschreibung 
des Gewordenen, ohne gleichzeitig dessen Werden in den Kreis der 
Betrachtungen zu ziehen. — Keine andere naturwissenschaftliche Dis- 
ziplin regt in ähnlicher Weise zum Beobachten an, keine entwickelt in 
gleichem Maße das Urteilsvermögen und führt zu einer so vertieften 
Weltanschauung ! Zwar hat die Schule die Grundlagen dieser Wissen- 
schaft zu vermitteln, doch reicht die knapp bemessene Zeit — zwei 
Wochenstunden im Wintersemester der Quinta — lange nicht aus, die 
Fülle des Stoffes zu bewältigen und das Verständnis zu vertiefen. 
Dieser Aufsatz soll dazu beitragen, den Schüler zu befähigen, an Bei- 
spielen aus der Umgebung des Schulortes seine aus dem Unterrichte 
erworbenen Kenntnisse durch Selbstbeobachten zu erweitern und zu 
festigen. 

So gestaltet sich diese Einführung in das Studium der Geologie 
zu einer höheren Stufe des Anschauungsunterrichtes, zu einer Anleitung 
zum Denken und Schließen. 





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Der Steingrund. 

In der Umgebung Aussigs ist der größte Teil der Erdoberfläche 
mit Pflanzenwuchs bedeckt, auf den Gehängen der Täler breitet sich 
zumeist Gebüsch und Wald aus, die Tiefebenen und Hochflächen sind 
vorherrschend mit Wiesen, Getreidefeldern und Obstgärten bebaut, 
welche das unter ihnen Liegende verbergen. Dieser Pflanzenmantel 
und der ihn hervorbringende Erdboden bilden zusammen nur eine 
dünne Schichte, die selten mehr als zwei Meter beträgt. 

Unter der Acker- oder Dammerde liegt stets irgend eine Gesteins- 
art, sei dies nun Lehm, Sand, Torf oder harter Fels. 

Von diesem Steingrunde soll nun im Folgenden die Rede sein; 
von seiner Beschaffenheit hängt zum größten Teil die geographische 
Gliederung ab, so daß also die Eigentümlichkeit der Heimat und ihrer 
Bewohner zur Natur der Steine unter ihren Füßen in einer Wechsel- 
beziehung steht. Wir werden zu ergründen trachten, woraus diese 
Steine bestehen, wie dieselben entstanden sind und warum sie hier in 
der Tiefe liegen, dort zu Hügeln und Bergen sich auftürmen. — 

Um rasch einen Überblick über die wichtigsten Gesteinsarten 
zu geben, wollen wir an ein flaches Ufer der Elbe gehen, an welchem 
Geschiebe und Gerölle aufgeschwemmt liegen. Diese Schotter stellen 
sich uns als eine wahre Musterkarte von Gesteinen dar. Man kann 
hier fast alle in Böhmen vorkommenden Gesteinsarten auffinden. Unter 
diesen Geschieben finden wir solche, die durch und durch dieselben 
physikalischen und chemischen Eigenschaften zeigen, wie z. B. durch- 
scheinende Chalzedone, konzentrisch gestreifte Achate, schwarzen Kiesel- 
schiefer, roten Eisenkiesel u. a.: solche Naturkörper werden als Mine- 
ralien bezeichnet. Die meisten Rollsteine lassen jedoch leicht erkennen, 
daß sie aus zwei, drei oder mehreren Mineralien zusammengesetzt 
sind, die sich durch Farbe, Glanz und Härte von einander unterscheiden; 
man bezeichnet dieselben als gemengte Gesteine. 

Sehr häufig findet man in den Schotterablagerungen „Granit- 
gerölle"; dieselben bestehen aus grauem Rauchquarz, meist rötlichem 



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Kalifeldspat und teils hellem Kaliglimmer, teils dunklerem Magnesia- 
glimmer. Das Gefüge ist körnig und läßt keine Spur einer parallel 
verlaufenden Anordnung seiner mineralogischen Bestandteile wahr- 
nehmen. Durch letzteres Merkmal kann er leicht von dem Gneis 
unterschieden werden, der fast noch häufiger hier zu finden ist. Die 
Gneisgerölle zeigen besonders auf dem Querbruche deutlich eine pa- 
rallele Streifung, erweisen sich im übrigen aus denselben Mineralien 
zusammengesetzt wie der Granit. 

Seltener als die Gneis- und Granitgeschiebe findet man rote 
Porphyr- Ger öl le. Die Grundmasse erscheint dem unbewaffneten 
Auge dicht; in dieser sind eingebettet entweder scharfbegrenzte rund- 
liche, zuweilen auch sechsseitige Quarzkörner oder große spiegelnde 
fleischrote Feldspatkrystalle; diese an „Mandelkuchen" erinnernde Struktur 
ist für den Porphyr besonders charakteristisch. 

Vorherrschend sind schwarze dichte Geschiebe von Basalt, die 
zuweilen glänzende Augitkrystalle oder faserige Hornblenden einschließen. 
Von den gleichfalls schwarzen Kieselschiefern unterscheiden sie sich 
durch das größere spezifische Gewicht und den Mangel jeder Schichtung, 
noch besser jedoch im Dünnschliffe, unter dem Mikroskop, wo sie sich 
als ein feinkörniges krystallinisches Gemenge von Magnetit und Augit 
mit Kalknatronfeldspat (Feldspatbasalte) oder mit Nephelin (Tephrite) 
erweisen. Auch Klingsteingerölle sind nicht selten; dieselben sind meist 
sehr flach, hellgrau, und zeigen gewöhnlich im Bruche glasglänzende 
Einschlüsse von Sanidin (glasartiger Orthoklas). Sie geben, mit dem 
Hammer geschlagen, einen hellen Klang, daher der Name Phonolith 
oder Klingstein. Die scheinbar dichte Grundmasse enthält nebst Alkali- 
feldspat (Sanidin) und Augit auch noch Leucit, Nosean, Nephelin oder 
Hauyn in wechselnden Mengen, überdies spärlich kleine Magnetit- 
körnchen. — 

Nach längerem Suchen findet man wohl auch weichere gelblich- 
graue Kalkgeschiebe und mehr oder weniger harte Sandstein- 
gerölle. Die letzteren sind aus durchwegs abgerundeten Körnchen von 
Quarzsand zusammengesetzt, welche durch ein teils kalkhaltiges, teils 
brauneisensteinhaltiges Bindemittel verkittet erscheinen. — 

Unschwer bemerkt man, daß sie aus lauter „Trümmern" von früher 
bestandenen Gesteinen zusammengesetzt sind, während Granit, Porphyr, 
Basalt und Phonolyth, ja selbst der Gneis aus mehr oder weniger 
deutlich ausgebildeten Krystallindividuen zusammengefügt erscheinen. 

Die Beschaffenheit des Gcfüges eines Gesteins hängt von seiner 
lintstehungsart oder Bildungsgeschichtc ab. — 

Wenn eine geschmolzene Gesteinsmasse plötzlich erstarrt, zeigt 
sie entweder gar keine oder sehr undeutliche Struktur, sie wird glas- 



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artig. (Die sogenannten Magmabasalte enthalten eine glasartige Grund- 
masse, stellen daher sehr rasch abgekühlte Laven vor.) Erfolgt die 
Abkühlung langsamer, z. B. unter teilweiser Bedeckung von Asche 
oder Schlacke, so scheiden sich in der fast dicht erscheinenden Grund- 
masse größere scharfbegrenzte Krystalle ab (schwebende Krystalle, ein- 
gewachsene Krystalle). Die Struktur wird porphyrartig. Porphyr- 
artige Struktur ist eine sehr bezeichnende Eigentümlichkeit aller „ Erguß- 
oder Eruptivgesteine, z. B. des Porphyres, Basaltes und Phonolithes. 
Endlich kann eine geschmolzene Gesteinsmasse in bedeutender Tiefe 
sehr langsam auskühlen und erstarren, ohne im feurigflüssigen Zu- 
stande die Oberfläche erreicht zu haben; unter solchen Verhältnissen 
zeigen alle mineralischen Bestandteile des Gesteines eine mehr oder 
weniger deutliche körnige Struktur. Gesteine mit wohlausgeprägter 
krystallinischer Ausbildung der Gemengteile nennt man mit Bezug auf 
ihre Entstehung: „Tiefengesteine". Zu den Tiefengesteinen zählt man 
den Granit, Syenit und Essexit; ersterer findet sich oft als Gerölle oder 
Geschiebe in den Schotterbildungen. 

Da sowohl die Ergußgesteine als auch die Tiefengesteine im 
schmelzflüssigen Zustande aus großer Tiefe, gewissermaßen aus der 
Unterwelt emporgedrungen sind, so hat man sie auch unter dem 
Namen Plutonische Gesteine zusammengefaßt. Diese Gesteine haben 
bis zur Gegenwart zumeist ihre ursprüngliche Ausbildung fast unver- 
ändert beibehalten, weshalb sie die Primärgesteine genannt werden. — 

Andere Gesteine, z. B. die Sandsteine und viele Kalksteine bestehen 
aus Fragmenten zerstörter Gesteine, welche Bildungen man als Trümmer- 
gesteine oder Sekundär-Gesteine bezeichnet. Fast alle Sekundär-Gesteine 
zeigen in ihrer Struktur eine parallele Anordnung der Bestandteile, eine 
sogenannte Schichtung, und werden daher als geschichtete Gesteine oder 
Sedimente bezeichnet. — Diese Schichtung oder Lagerung verdanken 
sie ihrer Bildung durch Ablagerung aus dem Wasser. 

Zwischen den primären Gesteinen, die aus regellos aneinander 
gehäuften Krystallkörnern bestehen und den Sediment-Gesteinen, wel- 
che aus parallellaufenden Lagen von Gesteins- oder Mineraltrümmern 
zusammengesetzt sind, nehmen die Gneise und Glimmerschiefer eine 
Mittelstellung ein, da sie aus deutlichen Krystallindividuen aufgebaut 
sind, welche jedoch in gleichlaufenden Schichten angeordnet erscheinen. 

Die Schichtung der Gneise deutet auf einen ähnlichen Ursprung 
hin, wie er von den Sedimentgesteinen erwiesen ist, jedenfalls wurde 
nachträglich durch Einwirkung hoher Temperaturen und den mächtigen 
Druck darüber lastender Gesteinsmassen die Struktur derselben voll- 
ständig verändert, indem eine Umkrystallisation der mineralogischen 
Bestandteile stattgefunden hat. Man hat also sehr wahrscheinlich im 



- 8 - 



Gneis ein Sedimentgestein zu vermuten, welches durch die genannten 
Einwirkungen eine nachträgliche Umgestaltung oder Metamorphose 
erfahren hat, daher die Bezeichnung metamorphische Schiefer- 
gesteine für deutlich geschichtete Felsarten, deren Bestandteile als 
Krystallindividuen ausgebildet sind. 

So bergen denn die Schotterablagerungen an den Elbeufern eine 
reiche Auswahl von Mineralien und Gesteinen, an welchen jeder 
fleißige Beobachter die Grundzüge der Systematik der Gesteine durch 
genauen Vergleich studieren kann. 

Nf 

Übersicht der Gesteine. 

I Porphyr 
Basalt 
Phonolith etc. 

nutoniscne oaer primäre uesteine \ , Granit 

( Tiefengesteine J Essexit 
| Syenit. 

f Gneis, Glimmerschiefer, Hornblend- 
Metamorphische Schiefergesteine \ schiefer etc 

f Geschichtete Kalksteine, Sand- 
Neptunische oder Sedimentgesteine l steine Tone etc 

^ 

Die geologischen Wirkungen des Wassers. 

Es soll sich regen, schaffend handeln, 
Erst sich gestalten, dann verwandeln, 
Nur scheinbar steht's Momente still. 
Das Ew'ge regt sich fort in Allem ; 
Denn Alles muß in Nichts zerfallen, 
Wenn es im Sein beharren will. 

Goethe. 

Seitdem die Oberfläche der Erde sich soweit abgekühlt hat, daß 
sich auf ihr das Wasser ansammeln konnte, begann dasselbe jenen 
ununterbrochenen Kreislauf, welcher es vom Himmel zur Erde und 
von der Erde wieder zum Himmel führt. — 

Der größte Teil des in der Atmosphäre enthaltenen Wasserdampfes 
fällt in Form von Regen zur Erde hernieder und verrichtet hiebei 
Arbeit. So unscheinbar die Leistung eines einzelnen Tropfens ist, so 
bedeutend sind die Wirkungen, welche sich im Laufe der Zeiten durch 
die Summierung dieser Leistungen ergeben. 

Für Aussig beträgt die jährliche Niederschlagsmenge nach einem 
zwölfjährigen Durchschnitte berechnet 543 mm*) dies gibt auf den m 2 

*) Die Angaben über Niederschlagsmenge, Niederschlagstage und mittlere Tem- 
peratur verdanke ich der Mitteilung des verdienten Leiters der hierortigen meteorologischen 
Station, Herrn Ingenieur C. von Klitschig. 



- 9 - 



543 / Niederschlagswasser und für den Bezirk (355*84 km 2 ) die enorme 
Menge von zirka 1.933,000.000 hl. Zum Glück fällt diese Wassermenge 
nicht plötzlich, sondern auf 164 Tage verteilt, allmählich herab. 

Ein Teil des Niederschlagswassers versinkt in den Boden, ein 
zweiter Teil verdunstet oder wird von den Pflanzen absorbiert, der 
dritte Teil läuft oberflächlich ab, sobald Erdboden, Pfanzenwelt und 
Luft ihre Anteile erhalten haben. Die Mengen des versickernden Wassers 
sind jedoch in den verschiedenen Jahreszeiten sehr ungleich, was aus 
der beigegebenen Tabelle hervorgeht, welche nach den Beobachtungen 
der hiesigen meteorologischen Station zusammengestellt wurde: 



Monat 


Niederschlags- 
menge 


Einsickerungs- 
menge 


Niederschlags- 
tage 


Mittlere 
Temperatur 


Jänner 


28 mm 


197 


13 


— 27 


Februar 


24 


187 


13 


— 0-5 


März 


38 


25-2 


15 


+ 3T 


April 


35 


7-3 


12 


+ 8-9 


Mai 


64 


37 


14 


+ 14T 


Juni 


62 


IT 


14 


+ 17-3 


Juli 


93 


16 


17 


+ 18-3 


August 


65 


0-9 


15 


+ 17-9 


September 


40 


7-6 


11 


+ 14T 


Oktober 


38 


18-9 


15 


+ 87 


November 


31 


260 


12 


+ 3T 


Dezember 


25 


25-0 


13 


— 07 


Jahr 


543 mm 


1557 


164 


+ 8-5 



Die Monate Mai, Juni, Juli und August haben im hiesigen Gebiete 
die größten Niederschlagsmengen aufzuweisen, während in dieser Zeit 
nur wenig Wasser einsickert, dagegen sind die Monate November, 
Dezember, Jänner und Februar arm an Niederschlägen und haben dem 
ungeachtet bedeutende Einsickerungsmengen zu verzeichnen. Diese 
interessante Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß in den Sommer- 
monaten das Niederschlagswasser zum größten Teil von der Pflanzen- 
welt verbraucht wird und daß ferner auch die Verdunstung bei der 
höheren Temperatur von 14°- 18° C eine viel lebhaftere ist. 

Bei der Beurteilung der Arbeit, welche das Wasser während seines 
Kreislaufes verrichtet, hat man zu unterscheiden: 

1. Arbeit des auffallenden Tropfens. 

2. Arbeit des Sickerwassers. 

3. Arbeit des oberflächlich abfließenden Wassers. 



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I. Die Arbeit des auffallenden Tropfens. 

Jeder Tropfen, welcher aus den 500-1000 m über der Erdober- 
fläche schwebenden Wolken herabfällt, hat lebendige Kraft in sich und 
vermag daher Arbeit zu leisten; fällt er auf Staub oder Erde, so fliegen 
oft die Teilchen auseinander; fällt er auf festen Stein, so geht seine 
Kraft nicht verloren, sondern wird in Wärme umgesetzt, welche bewirkt, 
daß der Fels unter der Wucht des auffallenden Tropfens an der Ober- 
fläche sich etwas ausdehnt, wodurch sein Gefüge eine Auflockerung 
erleidet; durch häufige Wiederholung dieser Wirkungen kommt es 
schließlich zu Ablösungen von Gesteinsteilchen. 




Fig. 1. Topfartig ausgeholter Phonolith von Hertine. (Stadt-Museum.) 
l / s der natürlichen Gröl3e. 

In ähnlicher Weise, aber noch viel schneller und wirksamer 
arbeiten Wassermassen, welche von einer Felsstufe im offenen' Gerinne 
herabstürzen; diese erzeugen nicht selten im Steingrunde topfartige 
Aushöhlungen, an deren Vertiefung sich zumeist auch Steinchen und 
Sandkörnchen beteiligen. - (Siehe Abbildung Fig. 1.) 

^ 

II. Die Arbeit des Sickerwassers. 

Durch die vom fallenden Tropfen bewirkte Auflockerung des 
Steingrundes wird gleichzeitig dem nachfolgenden Tropfen der Weg 
in das Innere desselben vorbereitet. — Das Wasser wird nämlich teils 
durch die Wirkung der Adhäsion von dem Gestein eingesaugt, teils 




Trachytischer Phonolith vom Marienberg bei Aussig. 
(Stadtmuseum) Vj d. n. O. 



Vergl. Text Seite 11 und 12. 



THE 
JOHN CRERAR 
LIBRARY, 



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durch Druckwirkungen in dasselbe hineingepreßt. So ist es zu erklären, 
daß selbst feste Felsen in ihrem Innern Wasser enthalten, welches auf 
dünnen Spalten und Sprüngen eingedrungen ist und „Kluftwasser" 
genannt wird; noch leichter kann es sich in den Zwischenräumen von 
Erde, Sand und Schotter ansammeln, sogenanntes Grundwasser 
bilden. 

Wäre das Wasser chemisch rein, so blieben die durchfeuchteten 
Gesteine beinahe unverändert. Der fallende Regentropfen absorbiert 
jedoch nahezu zwei Volumprozent Luft, in welcher nebst verschiedenen 
Verunreinigungen stets Stickstoff, Sauerstoff und Kohlensäuere enthalten 
sind. Die beiden letzteren wirken auf Bestandteile der Erde verändernd 
ein, der Sauerstoff oxydiert aber auch die organischen Reste zu Kohlen- 
säure, welche die Wirksamkeit des unterirdischen Wassers verstärkt. 
So vermag das Wasser etwa vorhandene lösliche Salze aufzunehmen, 
bestehende chemische Verbindungen zu trennen oder auch neue zu 
bilden. 

Die Felsmassen erleiden durch diese Vorgänge nach und nach 
eine stoffliche Umbildung, sie werden meistens aufgelockert und zer- 
fallen endlich in Gesteins-Grus oder in weiche Erde. Man nennt diese 
Veränderung der Gesteine die chemische Verwitterung; dieselbe ist für 
die Erschließung des Bodens und die Schaffung der fruchtbaren Acker- 
krume von hervorragender Bedeutung. Mit der chemischen Verwitterung 
gemeinsam arbeitet die mechanische Verwitterung an der Zerstörung 
der Gesteine. Dieselbe wird vorzüglich begünstigt durch die rasch 
aufeinanderfolgenden Temperaturschwankungen; auf bedeutende Er- 
hitzung der Felsen bei Tag folgt oft eine starke Abkühlung bei Nacht. 
Dadurch werden die Felsen oberflächlich verschiedene Grade von Aus- 
dehnung erfahren, es entstehen netzartig angeordnete Sprünge, welche 
endlich den Zerfall des Gesteines bewirken. Wesentlich beschleunigt 
wird dieser Zerfall durch die sprengende Kraft des gefrierenden Wassers, 
das sich beim Erstarren um OT seines Rauminhaltes ausdehnt. 

in der geschilderten Weise sind die Schutthalden und steinernen 
Meere entstanden, die auf beiden Seiten des Elbetales bei Birnai, 
Wannow, Schreckenstein u. a. a. O. die Gehänge bedecken und den 
Kreuzottern so willkommene Schlupfwinkel bieten. 

Viele Gesteine enthalten zahlreiche, oft ei- bis kopfgroße blasen- 
förmige Hohlräume, so z. B. der schieferige Basalt vom Fuchsberg süd- 
lich von Salesel a. d. Elbe und der Klingstein vom Marienberg bei 
Aussig. Gelangt nun Sickerwasser in einen solchen Hohlraum, so 
zeigt sich hier dessen schaffende Kraft. Beladen mit mineralischen 
Substanzen kommt es tropfenweise hier an und verdunstet nach und 
nach; hiebei werden die gelösten Stoffe wieder abgeschieden; dieselben 



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bilden an den Wänden der Blase prächtige Drusen. (Tafel 1.) Auf diese 
Weise entstanden die aus zierlichen Nadeln bestehenden Natrolithe, die 

meist erbsengroßen und undurchsichtigen Al- 
bine (Apophyllite), so wie die gewöhnlich wein- 
gelben Kalzite. Das Gestein selbst aber er- 
scheint fast schwammig, ja in den obersten 
{ Lagen nahezu morsch, förmlich vom Wasser 
ausgelaugt; was seiner Masse fehlt, findet man 
wieder in schönerem Glänze in Gestalt junger 
Krystalle in den Blasenräumen. 

Die Zeolithe oder Siedesteine (wasserhal- 
tige Alumosilikate, die vor dem Lötrohre auf- 
schäumen oder sieden), welche so oft in den 
Fig. 2. Natrolith-Mandei Hohlräumen der Basalte und Phonolite des 
vom Fuchsberg b. Salesel a. E. böhmischen Mittelgebirges gefunden werden, 
(Gymn.) 7 2 d. n. Gr. s j nc j n j cn t s anderes als die regenerierten Feld- 
spate und Augite dieser Gesteine. Stets lassen sie ihre Entstehungsart 
als Auslaugungsprodukte daran erkennen, daß sie nicht in Gestein 
eingewachsen neben den primären Mineralien vorkommen, sondern auf- 
gewachsen als Drusenkörper auftreten. — 

Nicht selten sind diese Mineralien mit einer dunkelbraunen Kruste 
von Hartmanganerz (Wad), überzogen welche nur die Krystallform der- 
selben erkennen läßt. Solche Bildungen nennt man Truggestalten oder 
Pseu domo rp hosen. 

Beistehende Abbildung 
zeigt eine solche Umhül- 
lungspseudomorphose von 
Wad nach Kalzit vom Ma- 
rienberg. (Fig. 3.) 

Verdunstet das mangan- 
haltige Wasser in einer 
Spalte eines Gesteines, so 
bilden sich auf den Kluft- 
flächen dünne Überzüge 
oder zierliche baumförmige 
Zeichnungen von dunkel- Fig- 3. Kalzitkrystalle mit perimorpher Wadrinde 
brauner bis schwarzer Farbe. vom Marienberg bei Aussig. (Gymnasium.) 
Letztere Bildungen nennt ^ d ' n " Gr " 

man „Dentrite n". (Siehe Fig. 4.) 

Je länger die chemische Wirkung des Sickerwassers auf ein 
Gestein angedauert hat, desto mehr lösbare Stoffe wurden aus dem 
durchsickerten Gestein fortgeführt, bis endlich ein fast unangreifbarer 





- 13 - 




Fig. 4. 



Wad-Dentriten auf Phonolith von Türmitz. 
(Gymnasium.) l / 2 d. n. Gr. 



Zersetzungsrückstand 
übrig bleibt, welcher 
größtenteils aus Ton- 
erde und wasserhaltiger 
Kieselsäure zusammen- 
gesetzt ist. Eine der- 
artige Veränderung 
zeigt besonders schön 
und deutlich der Por- 
phyr sowohl in der 
Umgebung von Teplitz 
als auch bei Klein- 
Tschernosek. (Siehe 
Abbildung Fig. 5.) 

Zuerst werden ein- 
zelne Feldspatkrystalle 

in eine weiße kaolinartige Substanz umgewandelt; dieser Prozeß schreitet 
fort, bis endlich das ganze Gestein in eine lockere, zerreibbare Masse 
zerfällt, in welcher die unveränderten Quarzkörner noch eingeschlossen 
sind. — So wie hier aus Feldspat Kaolin entstanden ist, so ist aller 
Ton aus der Verwitterung von Tonerdesilikaten hervorgegangen, mag 
er sich noch auf der Stelle seiner Entstehung befinden oder durch 
flutende Gewässer auf sekundärer Lagerstätte zusammengeschwemmt 
worden sein. Waren die zersetzten Tonerdesilikate sehr eisenhaltig, 

wie dies bei vielen Augiten, 
Hornblenden und Glimmern 
der Fall ist, so entsteht aus den- 
selben als Zersetzungsprodukt 
nicht weißer Kaolin, sondern 
entweder durch Eisenoxyd rot, 
oder durch Eisen- Hydroxyd 
braun gefärbter Ton, bezie- 
hungsweise auch Lehm. 

In ähnlicher Weise wie 
die Feldspate des Porphyrs 
findet man oft auch die Oli- 
vinkörner der Basalte ver- 
ändert; diese verwandeln sich 
unter dem Einflüsse der Atmo- 
sphärilien rasch in eine weiche 
Fig. 5. Kaolinisierter Porphyr von Teplitz. gelblichbraune serpentinartige 
(Gymnasium) »/, d. n. Gr. Masse, welche unter Wasser- 




- 14 - 



aufnähme ihr Volumen vergrößert, aufquillt, und endlich aus dem 
festen Stein ausbricht, kleine narbenartige Vertiefungen hinterlassend. 

Kaolin, Ton und Serpentin sind demnach metasomatische Zer- 
setzungsprodukte, deren Bildung sich teilweise vor unseren Augen 
abspielt — 

Nr 

III. Die Arbeit des fließenden Wassers. 

Der Steingrund wird im Laufe der Zeiten unter einer Hülle von 
Gesteins-Grus und Schutt begraben, nur teilweise wird das durch die 
Verwitterung erzeugte Material vom Wasser wieder fortgespült — Nach 
einem Regenschauer bemerkt man regelmäßig auf den Promenadewegen 
der städtischen Anlagen und auf den Touristensteigen des Mittelgebirges 
Rinnsale, die dadurch entstanden sind, daß unzählige Erd- und Sand- 
teilchen fortbewegt wurden. Wolkenbrüche, oder lange andauernde 
Regengüsse bewirken häufig, daß in den Wildbächen große und schwere 
Gesteinsblöcke von den herabstürzenden Wassermassen talwärts geschafft 
werden; ja sogar ganze Schutthalden können vom fließenden Wasser 
mit fortgerissen werden, so daß die Talböden mit Stein- und Schlamm- 
massen bedeckt werden. Bei Birnai, an der Mündung des Prutschel- 
baches in die Elbe, erkennt man leicht die Folgen eines solchen Mur- 
ganges an der Aufschüttung von teils eckigen, teils gerollten Gesteins- 
trümmern. — 

In nassen Jahren sammeln sich zuweilen im stark zerklüfteten 
Gestein oder im Gesteinsschutt, wenn die Unterlage desselben aus 
wasserundurchlässigem Ton, Letten oder Mergel besteht, bedeutende 
Mengen von Grundwasser an. — Werden nun die Tone, Letten oder 
Mergel unter der Einwirkung des darauf sitzenden Wassers schlüpfrig, 
dann geraten die auflagernden Gesteinsmassen leicht ins Gleiten. So 
bereiten sich Ereignisse vor, welche unter den Namen »Bergsturz", 
Erdschlipf, Rutschung, allbekannt und gefürchtet sind. — 

Am Fuße des Fuchsberges bei Salesel liegt ein fast hausgroßer 
Felsblock, welcher aus bedeutender Höhe herabgestürzt ist Das Ge- 
hänge des Galgenberges kam im Jahre 1899 in Bewegung und konnte 
nur durch Entwässerung und den Bau mächtiger Stützmauern zum 
Stehen gebracht werden; auch in der Duke und bei Waltirsche ent- 
standen in demselben Jahre bedrohliche Erdschlipfe. — 

Ein Erdschlipf von sehr bedeutender Ausdehnung ereignete sich 
in der Nacht vor dem Feste der heiligen drei Könige in dem nassen 
und lauen Winter des Jahres 1770 zwischen Wesseln, Meischlowitz und 
Reindlitz. Tiefe Risse öffneten sich und verschlangen die nachrutschen- 
den Fels- und Erdmassen. Einzelne Gesteinspartien wurden um mehr 



G. Bruder: Geologische Skizzen. 



Tafel II. 



Aufstieg zum Wasserfall bei Wannov. 

Nach einem Gemälde von Doerell. (Original im Stadt-Museum in Aussig.) 




Links: mauerartig abstürzende Nephelinbasanit-Decke auf Brannkohlensandstein lagernd. 
Rechts: durch fortschreitende Verwitterung und Erosion vereinzelter Basaltpfeiler. 
In der Mitte: Schutthalde (Felsenmeer). 



Vergl. Text Seite 15. 



THE 
JOHN CRERAR 
LIBRARY. 



Bruder: Geologische Skizzen. 



Tafel III, 



Tyssaer Labyrinth. 




Durch Auswitterung im Quadersandsteine entstandene Felstore und Felspfeiler. 



Vergl. Text Seite 15. 



TMI 

JOHN CBF.RAR 
LIBRARV. 



- 15 - 



als 100 m von ihren Plätzen fortgeschoben. Der Rutsch pflanzte sich 
vom Bergsattel zwischen dem Ziegenberge und dem Meischlowitzer 
Höhenzuge bis in die Elbe hinein fort; ganze Grundstücke samt Bäu- 
men, Sträuchern, Saaten und Steinen wurden fortgeschwemmt. 

Von größter Bedeutung ist die Abspülung für die Ausarbeitung 
des Bodenreliefs, indem sie den Gesteinsschutt entfernt und so die wahre 
Gestalt der Berggipfel und Felsrnassen aufdeckt. Dies zeigt sich sehr 
deutlich bei den Sandsteinfelsen und Basaltdecken, welche von regel- 
mäßig angeordneten Absonderungsklüften durchsetzt sind. Die Ver- 
witterung greift hauptsächlich in diesen Klüften an und zerlegt die 
Felsen in regelmäßig geformte Massen, die durch gleichzeitige Ein- 
wirkung der Abspülung als mauer-, säulen- oder pfeilerartige Gestalten 
aufragen. Solche Bildungen zeigen z. B. die Basaltfelsen am Wasser- 
fall bei Wannow sowie die Sandsteinfelsen des unteren Elbetales und 
des Tyssaer Labyrinthes. (Siehe Tafel 2 und Tafel 3). 

Von der Abspülung unzertrennlich ist die Erosion oder Aus- 
nagung des Bodens; hiebei wirkt das fließende Wassjer als Kraftquelle; 
dasselbe wird jedoch in seiner schürfenden -Wjfkung von den Gesteins- 
trümmern unterstützt, welche über den' Untergrund hinweggeschleift 
werden. 

Die Quellen. 

Ungefähr ein Drittel der vom Boden aufgenommenen Nieder- 
schläge versinken in Tiefen von mehr als einem Meter und tragen zur 
Speisung der Grundwasser bei, deren Wasserführung also nicht allein 
von den Niederschlagsmengen, sondern noch viel mehr von den Ein- 
sickerungsquantitäten abhängt. Deshalb findet im Sommer, selbst bei 
vermehrten Niederschlägen, eine Abnahme in der Ergiebigkeit der 
Quellen und Brunnen statt. 

Für das Einsickern des Wassers ist die Beschaffenheit des Stein- 
grundes von maßgebender Bedeutung. — Man unterscheidet durch- 
lässigen Boden und rechnet dazu Sand, Schotter, lockeren Sandstein, 
zerklüfteten Kalkstein, Basalt und Phonolith etc., und undurchlässigen 
Boden als Lehm, Ton, Letten, Mergel und festen, nicht zerklüfteten Fels 
— Ton und Mergel nehmen zwar im trockenen Zustand begierig Wasser 
auf, saugen sich voll und werden schlüpfrig, hiedurch werden sie je- 
doch für das Wasser vollkommen undurchlässig. — 

Besteht daher der Boden in seinen oberen Lagen aus durchlässigem 
Materiale, so dringt das Wasser in denselben ein und sammelt sich auf 
der ersten undurchlässigen Schichte als Grundwasser an. Ein großer 
Teil des Grundwassers kommt nicht als Quelle an die Oberfläche, 
sondern fließt unterirdisch der Elbe oder ihren Nebenflüssen zu, deren 



- 16 - 



Wasserführung auf diese Weise vermehrend. Interessant und lehrreich 
sind in dieser Beziehung die Brunnen im Schönpriesner Stadtteile. Die- 
selben empfangen ihr Wasser vorherrschend aus dem Braunkohlensand- 
stein der Gehänge zugesickert, doch werden sie auch von der Elbe aus 
mit Wasser gespeist, weshalb ihr Spiegel mit jenem des Stromes sinkt 
und steigt. — Während das auf den Kreide-Mergeln sich bewegende 
Wasser aus diesen einen bedeutenden Kalkgehalt angenommen hat und 
den Gehalt an Bittererde besonders den vulkanischen Tuffen verdankt, 
ist das Elbewasser verhältnismäßig arm an diesen Bestandteilen und 
im Sommer auch bedeutend wärmer. Je näher nun ein Brunnen dem 
Stromufer liegt, desto mehr macht sich in der Regel der Einfluß des 
Elbewassers geltend, indem die Härte der Brunnenwasser ab- und die 
Temperatur zunimmt, offenbar in Folge der eintretenden Mischung 
des Gehänge-Grundwassers mit dem Seihwasser der Elbe. 

Es können aber auch bei einer Wechsellagerung mehrerer durch- 
lässigen und undurchlässigen Schichten Wasseransammlungen in ver- 
schiedenen übereinanderliegenden Horizonten erfolgen. So wird in 
der Talbucht von Schönpriesen jenes Niederschlagswasser, welches un- 
mittelbar auf den mit einer lehmigen Schicht bedeckten Boden auffällt,, 
von derselben aufgenommen und zurückgehalten, so daß es oberfläch- 
lich abfließt vermöge der wasserstauenden Eigenschaft des Lehmes, 
während die unter derselben lagernden 15 — 20 m mächtigen sandigen, 
mit Geschieben gemengten Alluvionen der Elbe ihre Wasserführung 
teils dem Seihwasser des Stromes, teils jenem Zuschuß verdanken, 
welcher aus den umgebenden Höhen zusickert. Die wasserstauende Unter- 
lage der Elbealluvionen bilden hier die Plänermergel der Kreideformation. 

Tritt eine geneigte, undurchlässige Erdschichte irgendwo, z. B. an 
einem Gehänge zu Tage oder erreicht eine Erosionsfurche den Grund- 
wasserspiegel, so entsteht eine Schichtquelle, wie deren sehr viele im 
Bereiche der Umgebung beobachtet werden können. 

Das Quellwasser hat im allgemeinen die Temperatur des Bodens, 
aus dem es stammt; bei Quellen, die aus oberflächlichen Erdschichten 
kommen, schwankt daher die Temperatur mit der Jahreszeit, während 
bei solchen aus größeren Tiefen die Temperatur konstant ist und der 
mittleren Bodentemperatur des Ortes entspricht. 

Quellen, deren Wasser eine gleichbleibende Temperatur hat, welche 
die mittlere Jahrestemperatur des Ortes übertrifft, heißen warme Quellen 
oder Thermen. Sie führen Wasser, das aus bedeutenderen Tiefen 
stammt und die höheren Wärmegrade häufig einem vulkanischen Herde 
verdankt; eine solche Therme findet sich im Reindlitztale, deren Tem- 
peratur 12° C beträgt, also die mittlere Jahrestemperatur um fast 4° C 
übersteigt. -- 




Vergl. Text Seite 17. 



- 17 - 



Die Elbe, welche das Niederschlagswasser des ganzen Landes 
sammelt, ist gleichzeitig auch der Abzugskanal für den Schutt und die 
Gesteinstrümmer, die durch die Verwitterung erzeugt und durch die 
Abspülung nach und nach den Bächen und Flüssen zugeführt worden 
sind. Man hat berechnet, daß die Elbe jährlich 15,000.000 q fester 
Stoffe an Aussig vorüber außer Land schafft, was einer gleichmäßigen 
Abtragung des ganzen Landes um 1 m im Laufe von 40.000 Jahren 
entsprechen würde. — 

Ströme und ihre Zuflüsse üben eine dreifache Wirkung auf ihren 
Untergrund aus: sie nagen aus, schaffen fort und bauen auf. Dort, 
wo das Gefälle bedeutend ist, ist auch die ausnagende Wirkung stärker; 
bei hohem Wasserstande werden von den rasch dahinfließenden Wasser- 
massen bedeutende Mengen von Schutt fortgewälzt, wo sich das Wasser 
staut, wird Ablagerung von Schlamm, Sand und Schotter platzgreifen. 
Es wechseln auf diese Art Stellen der Erosion mit solchen der Ab- 
lagerung ab, je nach den eben herrschenden Umständen. 

Wenn das Wasser in einem offenen Gerinne, so wie jenes des 
Dulzebächleins im Bertagrunde, über ungleich hohe und ungleich breite 
Stufen herabfließt, so zeigt es das Bestreben, diese Unregelmäßigkeiten 
des Gefälles auszugleichen, indem es die höheren Stufen abträgt und 
das abgelöste Material in den tieferen Stellen ablagert und auf diese 
Weise sich allmählig eine gleichmäßig geneigte Gefällskurve schafft. 

Viele Zuflüsse der Elbe stürzen in ihrem Oberlaufe über mehr 
oder minder hohe Felswände herab und bilden schöne Wasserfälle. 
Durch die Kraft des häufig mit Sand und Steinen vermischten auf- 
prallenden Wassers wird die Felswand am Grunde endlich unterwaschen 
und überhängend. Solches ist zu sehen im Rock eil och, wo der in 
Budowe entspringende Bach den unter der Basaltdecke liegenden lockeren 
Tuff stark ausgewaschen hat; die ihrer Unterlage beraubten Basaltsäulen 
lösen sich von der Felswand ab und stürzen in die Tiefe. So wird 
nach und nach die Schlucht, durch welche der auf den Schwadener 
»/Bauern wiesen" versickernde Rockelbach abläuft, bergwärts verlängert. 

In den Flüssen und Strömen bilden sich an verschiedenen Stellen 
zumeist nahe dem Ufer mehr oder weniger ausgedehnte Kiesbänke; 
dieselben müssen aus der Elbe im Interesse der Schiffahrt durch Aus- 
baggern entfernt werden. Wo dies nicht geschieht, da wandern solche 
Schotterbänke stromabwärts, wobei sie am oberen Ende beständig ab- 
getragen werden, während sie am unteren Ende zunehmen. 

Diese Bildungen geben häufig Anlaß zur Entstehung von Strom- 
inseln; eine solche, mit hohen Bäumen bepflanzte Insel hatte lange 
Zeit in der Elbe, gegenüber dem Marienberge bestanden. Dieselbe 
wurde am 30. März 1845 durch das bedeutendste Hochwasser des 



- 18 



vorigen Jahrhunderts zerstört. An demselben Tage riß sich die Elbe 
gegenüber von Schwaden eine neue Rinne ein, so daß das Wasser 
ganz nahe an Nestomitz und Mosern vorbeifloß und erst bei Wesseln 
in den alten Lauf zurückkehrte. — Bei jedem Hochwasser werden die 
flachen Ufer überflutet und mit großen Mengen von Schlamm, Sand ; 
und Schotter überschüttet; es bilden sich die jüngsten Anschwemmungen. 

Die an den Gehängen des Elbetales in bedeutenden Höhen über 
dem Spiegel des Stromes auftretenden Schuttmassen zeigen uns heute 
den Betrag an, um welchen derselbe sein Bett bis zur Gegenwart ver- 
tieft hat. — Solche Schuttmassen liegen z. B. auf den Gehängen des 
Marienberges und auf dem Rücken des Steinberges bei Krammel. Es 
muß demnach einstens, als beide Felspartien noch vereint gewesen, die 
Elbe über dieselben hinweggeströmt sein, erst nach und nach hat sie 
sich tiefer und tiefer eingesägt, ein sogenanntes Felsentor gebildet. 

M 

Die Sedimente und ihre Einschlüsse. 

Schöpft man nach heftigen Regengüssen Wasser aus der Biela 
oder Elbe, so wird das anfangs trübe Wasser sich bald klären, während 
sich gleichzeitig am Boden des Gefäßes eine Schichte niederschlägt, 
deren Oberfläche stets horizontal gerichtet ist. Es hat sich entweder 
ein toniges oder sandiges Sediment gebildet. Nach dem Verdunsten 
des Wassers wird dieser Schlamm fest und zeigt netzartige Abson- 
derungssprünge. Schneller als Schlammschichten setzen sich Sandlager 
ab, da dieses Material wegen des größeren Gewichtes seiner Körnchen 
nur vom rasch fließenden Wasser getragen werden kann. Gerölle und 
Geschiebe werden dagegen nur vom reißenden Wasser am Grunde 
der Wasserläufe mit fortgewälzt. — Alle vom fließenden oder stehen- 
den Wasser gebildeten Ablagerungen zeichnen sich durch eine mehr 
oder minder deutliche Schichtung des angehäuften, oft recht ungleich- 
förmigen Materiales aus. — 

Wie können nun aus losen Schlammassen, Kalksteine oder Ton- 
schiefer, aus Sandlagern zusammenhängende Sandsteine, aus Schottern, 
feste Konglomerate entstanden sein? 

Nimmt man eine Partie Teichschlamm und drückt sie zusammen, 
so kann man leicht einen festen Ballen daraus formen; durch den an- 
gewendeten Druck wird das Wasser ausgepreßt und der Schlamm fest. 
Mit I Iilfe von Kalkmilch wird loser Saud in festen Mörtel verwandelt 
und dieser verbindet die Bausteine zu Mauern. In ähnlicher Weise 
entstehen auch in der Natur aus losem Schlamm, Sand oder Schotter, 
feste Gesteine. — 



Brudf.R: Geologische Skizzen. 



Tafel V. 



Felsentor der Elbe im Phonolithlakkolith: 
„Marienberg-Steinberg." 




a. Nach einem Ölgemälde aus dem Jahre 1S24, die Elbe-Insel darstellend. (Stadt-Museum). 



b. 




b. Aufgenommen im Mai 1903. 



Vergl. Text Seite 17 und 18. 



- 19 - 

Haben sich Schlamm- oder Sandschichten zu Lagen von vielen 
Metern übereinander getürmt oder wurden andere Gesteine darauf ab- 
gelagert, so werden sie durch den bedeutenden Druck der auf ihnen 
lastenden Massen in feste Gesteine umgebildet. So haben die Braun- 
kohlensandsteine die zu beiden Seiten des Elbetales am Fuße der Ge- 
hänge aufgeschlossen sind, den Druck einer 200 — 250 m mächtigen 
Gesteinsdecke zu erleiden, der pro dm 2 auf zirka 6000 — 7000 kg ange- 
nommen werden muß; überdies dürfte auch teils kalkhaltiges, teils 
eisenschüssiges Wasser, welches die einst lockeren Sandmassen durch- 
sickerte, mitgeholfen haben, die Teilchen untereinander zu verkitten. 

Sowie gegenwärtig Reste von Tieren und Pflanzen in den von 
Tag zu Tag anwachsenden Anhäufungen von Sedimenten auf dem 
Grunde des Meeres oder am Boden von Seen und Flüssen begraben 
werden, war es jedenfalls auch in früheren Entwickelungsperioden un- 
serer Erde; es erscheint daher nur natürlich, daß die Sedimentgesteine, 
welche uns den festgewordenen Boden einst bestandener Meeresteile 
oder Binnenseen vorstellen, Reste von oft längst ausgestorbenen Orga- 
nismen führen. 

So erhält man z. B. 
von den Arbeitern der 
Kalkstein -Brüche bei 
Mariaschein, Settenz, 
Hundorf und Loosch 
häufig „Versteinerun- 
gen" zum Kauf ange- 
boten, unter den Be- 
zeichnungen: Vogel- 
zungen, Brode, Schlan- 
gen, Skelette, Herzen 
etc., welche der Geo- 
loge leicht als Haifisch- 
zähne, Ammoniten-, 
Schnecken- u. Muschel- 
Steinkerne oder See- 
igelpanzer erkennt. 

Diese Reste, so- 
wie die in den Kalk- 
steinen nachweisbaren 
Foraminifern-Gehäuse 
lassen keine andere 
Deutung zu, als daß die Gesteine, von welchen sie eingeschlossen wer- 
den, aus einem Meeresteile abgesetzt worden sind. — 




- 20 - 



In den Sandsteinen und Tonschiefern, welche teils unter den 
Braunkohlenflözen lagern, teils dieselben bedecken, finden sich an manchen 
Orten Abdrücke von Blättern sowie Reste von Lurchen, Süßwasser- 
fischen und Insekten u. s. w., woraus geschlossen werden muß, daß 
man es hier mit Bildungen zu tun habe, die in einer Ansammlung 
von süßem Wasser, in einem See oder Sumpf, entstanden sind. 

Solche Einschlüsse enthalten z. B. die plastischen Tone von Priesen 
und Langujezd bei Bilin, die Sandsteine von Skalitz bei Leitmeritz und 
des Teplitzer Schloßberges, die sandigen Letten von Oberleutensdorf 
(Siehe Abbildung Fig. 6), die Erdbrände von Kleische und die Diato- 
meenschiefer von Schönpriesen, Sulloditz, Sebusein und Kutschlin. 



Der Steinbruch von Rosental bei Graupen. 

Müsset im Naturbetrachten 
Immer eins wie alles achten. 

Goethe. 

Am Fuße des 
Erzgebirges stehen 
mehrere Steinbrüche 
im Betriebe, so z. B. 
bei Kninitz n.-ö. von 
Tellnitz, bei Rosental, 
bei Ossegg u. a. ande- 
ren Orten. Hier wird 
ein bräunlicher, sehr 
harter, körniger, fast 
quarzitischer Sand- 
stein der unteren 
Kreideformation ge- 
Fig. 7. Ezoggra columba Lam. (Steinkern.) brochen, welcher ZU 

Natürliche Größe. (Stadt-Museum.) Stiegenstufen, Trot- 

toirplatten u. Schotter 

verarbeitet wird. Besonders leicht zu erreichen ist der Steinbruch, 
welcher westlich von der Wilhelmshöhe, oberhalb Rosental liegt. An 
der Sohle des Bruches enthält der feste Sandstein ganze Bänke von 
Steinkernen eines ausgestorbenen Austerngeschlechtes, der Exoggra 
columba Lam. Die darüber liegende Schichte besteht aus einem leicht 
zerreiblichen verwitterten Sandsteine, welcher Ostrea diluviana Lam, 
Spondylus lineatus Ooldf. Pecten acuminatus Oein. Inoceramus hercy- 
nicus Petraschek etc. geliefert hat, gegenwärtig aber ganz unzugänglich ist. 




G. Bruder: Geologische Skizzen. Kulissen-Profil von Rosental-Graupen. 

Durch nachträgliche Verschiebungen schräg aufgerichtete Kreide- und Gneis-Schichten 

Hangendes. 




Von NW nach SO fallende turone Pläncrkalkc. 
(Steinbruch in Rosental.) 



Von NW nach SO fallende eeuomane Quadersandsteine. 
(Steinbruch westlich von Rosental). 



Tafel VI, VII, VIII. 



Liegendes. 




Von NW nach SO fallende Gneis-Schichten. 
(Felswand am Fuße der Rosenburg in Graupen). 



Vergl. Text Seite 21. 



THE 
JOHN CRSRAPL 
LIBRARY, 



- 21 - 



Hundert bis hundertfünfzig Schritte gegen Süden, unter der Straße, 
liegt ein verlassener Kalksteinbruch, in welchem einstens Plänerkalk 
gebrochen wurde; dieser wird noch weiter südlich von sandig lettigen 
Schichten der Braunkohlenformation bedeckt. Der harte Sandstein selbst 
ruht auf steil aufgerichtetem Gneis. (Siehe Kulissen -Profil Tafel 4.) 

Auffallend ist, daß sowohl die Sandstein- als auch die Kalkstein- 
Schichten stark gegen Süden geneigt erscheinen. Zieht man auf der 
Oberfläche einer solchen Gesteinsbank eine horizontale Linie, so gibt 
die Richtung derselben das Streichen der Schichte an, das an dieser 
Stelle von SW nach NO verläuft. Den Neigungswinkel, den diese 
Schichten mit einer durch sie gelegt gedachten horizontalen Schnitt- 
ebene bilden, nennt man ihr Fallen oder Verflächen. Da die Himmels- 
richtung des Fallens auf jener des Streichens stets normal stehen muß, 
so hat es im Rosentaler Bruch die Richtung von NW nach SO. 

Nachdem Obenstehendes ermittelt ist, können folgende Fragen 
beantwortet werden: 

1. Welche Schichte ist die älteste, welche die jüngste? 

2. Unter welchen Verhältnissen wurden diese Schichten gebildet? 

3. Worauf läßt der Wechsel des Gesteinsmaterial es schließen? 

4. Wie kommt es, daß die Schichten nicht mehr horizontal liegen? 

1. Die harte Sandsteinbank, welche den Werkstein liefert, muß 
älter sein als die mürben lockeren Sande, welche sich offenbar auf der 
ersteren abgesetzt haben; diese, die Abraumsteine, sind älter als die 
blaugrauen Kalksteine, von welchen sie weiter südlich überlagert werden. 
Der Gneis, der gegen Norden unter den Sandsteinen verborgen liegt, 
ist älter als die Kreideschichten, während die letzteren im Süden von 
den noch jüngeren Gebilden der Braunkohlenformation bedeckt werden. 
Es sind also in diesem Profile oder geologischem Durchschnitte die 
Gneise das älteste Glied, darauf folgen die Sandsteine, die Plänerkalke 
und endlich die Braunkohlenletten. 

2. Die körnigen Sandsteine müssen im Meere, jedoch nahe der 
Küste, zum Absatz gekommen sein. Für den Absatz aus einem Meeres- 
teil sprechen unwiderleglich die hier eingeschlossenen tierischen Reste, 
die Versteinerungen; auf die Nähe der Küste lässt das sandige Mate- 
rial, sowie das Vorherrschen von Austern, mit ziemlicher Sicherheit 
schließen. — 

3. Da das sandige Material nach oben in kalkiges Material über- 
geht und die Austern immer seltener vorkommen, muß gefolgert werden, 
daß sich allmählig der Meeresboden hier gesenkt habe, so daß die 
Meeresküste nach Norden zurückwich. Im tieferen Wasser kam es 
weit ab von den Meeresufern zum Absatz eines tonig kalkigen Schlammes, 



- 22 - 



in welchem auch Reste von Foraminiferen und anderen Hochseetieren 
eingeschlossen wurden. 

4. Da die Sandsteine und Plänerkalke schräg einfallen, so können 
sie sich nicht mehr in jener Lage befinden, in welcher sie gebildet 
wurden; sie müssen vielmehr nachträglich eine Verschiebung erfahren 
haben, welche nur durch unterirdische Veränderungen, durch Hebungen 
oder Senkungen in der Erdkruste, entstanden sein kann. 

Durch sorgfältige Erwägungen aller in diesem Bruche gemachten 
Beobabchtungen ist es möglich geworden, einen kleinen Abriß Erd- 
geschichte festzustellen, welchen uns gewissermaßen die Gesteine, die 
hier aufgeschlossen sind, erzählen mußten. 

In ähnlicher Weise kann jeder Steinbruch, jede Schottergrube, 
jeder Torfstich ein Stückchen Erdgeschichte verkünden. Je sorgfältiger 
wir alle diese Erzählungen sammeln, desto erschöpfender vermögen 
wir die Entwickelungsgeschichte des heimatlichen Bodens darzustellen, 
die wiederum einen Beitrag liefert zur allgemeinen Geschichte der Erde, 
welche zu verfassen die Aufgabe der Geologie ist. 



Die geologische Bedeutung der Lebenstätigkeit 
der Organismen. 

Und es ist das ewig Eine, 
Das sich vielfach offenbart. 
Klein das Große, groß das Kleine, 
Alles nach der eignen Art. 

- Goethe. 

Auch die Lebewesen haben Teil genommen am Aufbau und an 
der Umgestaltung des heimatlichen Bodens; jedoch nicht unter den 
Giganten dürfen wir diese Arbeiter suchen, sondern unter den Gnomen. 
Winzige Zwerge sind es, die da ihre heimliche Arbeit verrichten und 
im Laufe langer Zeiträume gar Gewaltiges leisteten. 

Nur solche Wesen, die in großer Zahl auf beschränktem Räume 
wirken und nach kurzer Lebensdauer ihre Hartteile dem Boden zuführen, 
kommen hier in Betracht. Im Haushalte der Natur ist die wühlende 
Tätigkeit des Maulwurfes und vieler Nagetiere lange nicht von jener 
Bedeutung, welche der diesbezüglichen Arbeit des Regenwurmes zu- 
kommt. In jedem Garten halten sich tausende von diesen Tieren auf, 
schon nach wenigen Jahren ist die ganze Humusdecke durch den Darm 
derselben gewandert und im Laufe von Jahrtausenden ist dies viele 
hundertmal geschehen. Die schwachen Würmer bringen die unteren 
Schichten langsam nach oben und lassen die oberen wieder verschwinden. 
Sie pflügen also den Boden, wie der Landmann es tut. Da ihre Gänge 
immer wieder einstürzen, so daß neue gegraben werden müssen, lockern 



- 23 - 



sie die Erde beständig auf. Sie bringen die einzelnen Bodenteilchen 
immer von neuem mit Luft und Wasser in Berührung und beschleu- 
nigen also die Zersetzung derselben. Es ist beobachtet worden, daß 
durch diese Tätigkeit des Regenwurmes, Steinchen, die an der Oberfläche 
lagen, schon nach 15 Jahren 10—12 cm tief versunken sind. Auf diese 
Weise können im Laufe der Zeiten selbst Felsblöcke und Mauerreste 
vom Regenwurm vergraben werden. — 

In den Kalksteinen und Tonmergeln der Kreideformation, die im 
Gebiete des Mittelgebirges und am Fuße des Erzgebirges vielfach auf- 
geschlossen sind, finden sich oft in großer Zahl winzig kleine Schälchen, 
welche von Foraminiferen herrühren. Solche Tierchen, wie die, welche 
diese zierlichen Gehäuse gebaut haben, finden sich auch heute noch 
zu Milliarden in den obersten Schichten des Meerwassers. Nach dem 
Absterben sinken sie auf den Grund, wo ihre kalkigen Schalen sich 
sammeln und vorherrschend den Tiefseeschlamm zusammensetzen. 

Die Kreide- Mergel und Kalke, welche bei Loosch, Hundorf, 
Mariaschein sowie in der Leitmeritzer Gegend häufig gebrochen werden, 
verdanken ihre Entstehung hauptsächlich der Lebenstätigkeit dieser Ur- 
tiere. Läßt sich nicht überall ihre ursprüngliche Natur unter dem 
Mikroskop erkennen, so ist dies darauf zurückzuführen, daß diese 
Schichten unter dem Einflüsse darüber lastender Gesteinsmassen, bei 
erhöhter Temparatur und Gegenwart von Feuchtigkeit eine Metamor- 
phose durchgemacht haben, wobei häufig die organische Struktur ver- 
wischt wurde. Diese Ablagerungen erreichen im Gebiete durchschnitt- 
lich eine Mächtigkeit von 100 bis 200 Meter, welcher Umstand auf eine 
lange Zeitdauer der Überflutung des heimatlichen Bodens durch die 
Wogen des Kreide-Ozeans hindeutet. 

Das Seewasser enthält Chlor, Brom, Jod und schwefelsaure Salze, 
welche als Chlorkalium, Meersalz, Bittersalz und Gips etc. zum Nieder- 
schlag kommen würden, falls dasselbe in einem geschlossenen Becken 
verdunstete. Es würde dieser Niederschlag aber keinen kohlensauren 

, Kalk, sondern nur Chlorkalzium enthalten. Durch die Lebenstätigkeit 
der verschiedenen Tiere, welche Hartteile absondern, wird aber das 

' aus dem Wasser aufgenommene Chlorkalzium in kohlensauren Kalk 

1 verwandelt. 

Die Tiere, welche Gehäuse bauen oder Panzer und Knochen bilden, 
| stellen demnach lebende Filter vor, durch welche dem Meere der von 
| den Flüssen zugeführte Kalkgehalt wieder entzogen wird. Nebst den 
f Foraminiferenresten werden sich am Meeresgrunde auch Haifischzähne, 
Schneckengehäuse, Muschelschalen etc. ansammeln, die oft durch ein 
kalkhaltiges Bindemittel verkittet erscheinen und zur Bildung sogenannter 



- 24 - 




von Kolosoruk. (Gymnasium.) 
V 2 der natürl. Größe. 



Muschelbänke Anlaß geben. Solche, an Versteinerungen reiche Lagen 
finden sich auch in den erwähnten Sandstein- und Kalksteinbrüchen 
des Gebietes. 

In ganz ähnlicher Weise sammeln 
sich auch am Grunde von Seen, Teichen 
und Tümpeln im Laufe der Zeiten die 
Reste von Süßwasser- Schnecken und 
Muscheln an, die nach und nach zu einem 
Süßwasser-Kalkstein verfestigt werden, der 
fast nur aus Trümmern von Gehäusen 
dieser Tiere besteht. (Siehe Abbildung 
Fig. 8). 

Bäume und Sträucher vermögen mit 
ihren Wurzeln, die gleich Keilen in die 
Felsspalten eindringen, ansehnliche Fels- 
sprengende Wirkungen hervorzubringen, 

indem sie bereits bestehende Klüfte er- Fig 8 S üßwasserkalk mit 
weitern, Felsblöcke emporheben etc. Schnecken- u. Muschel-Gehäusen 
Auch tragen Baumleichen, welche im 
Moore eingebettet wurden, zur Bildung 
von Torf und Braunkohle mit bei, ja unter Mitwirkung heißer Quellen 
sind sogar ganze Wälder versteinert, in Quarz oder Opalmasse ver- 



wandelt worden. Unter den Gerollen des Elbeschotters finden sich 
Seltenheiten solche, die aus verkieseltem Holze bestehen; dieselben 
wurden zumeist von der Eger aus dem Goldbachtale herbei^ 
und stammen aus dem Rotliegenden. 

Wahrhaft Großartiges leisten jedoch auch unter den Pflanzen nur 
die Schwächsten und Kleinsten. Wenn irgendwo eine Felswand bloß- 
gelegt wird, sei es durch einen Felssturz, sei es durch die Hand des 
Menschen, so siedeln sich auf derselben gar bald unscheinbare Flechten 
an, welche dieselben mit gelben oder weißen Krusten bedecken, wie 
ersteres an den Felsen des Elbesandsteingebirges, letzteres an den Ba- 
salten der weißen Wände und des Bertagrundes so häufig zu beobachten 
ist. Diese Flechten sondern eine organische Säure ab, welche noch 
wirksamer ist als die Kohlensäure der Luft. Unter ihrem Lager sammeln 
sich losgelöste Gesteinsteilchen, die mit den absterbenden Teilen der 
Flechte zu einer dünnen Humusschichte vereinigt werden. Bald ge- 
sellen sich zwerghafte Moose hinzu, welchen später anspruchslose Gräser 
folgen. — Die also entstandenen Pflanzenpolster halten den vom Wind 
herbeigewehten Staub fest, verbinden ihn mit abgestorbenen Teilen des 
eigenen Leibes und tragen so zur Verstärkung der Humusdecke bei. 
Endlich vermag hier die schwankende Birke und die knorrige Stein- 



- 25 - 



mispel Wurzel zu schlagen, bis der ganze Fels unter einer grünenden 
und blühenden Hülle verborgen ist. — 

Auf dem Plateau des Erzgebirges, z. B. bei Adolfsgrün sowie am 
Fuße desselben, zwischen Hintertellnitz, Kninitz, Auschine etc. gedeiht 
ein schmächtig Gräslein, Hirschhaar oder Wiesenspeick genannt (Nardus 
stricta), welches mit seinen borstlichen, zu einem Trichter gruppierten 
Blättern den Tau begierig aufsaugt, zu Boden leitet und unter seinem 
filzigen Dach das gesammelte Wasser festhält, so daß dort, wo es wächst, 
der Boden feucht und kühl bleibt. Zwischen diesem Gras vermögen 
nur Torfmoose und kümmerliche Flechten ihr Fortkommen zu finden. 
Die Moose überwuchern endlich ihre Wirte und wachsen zu schwellen- 
den Polstern an, welche immer größer und größer werden und schließ- 
lich miteinander verschmelzen ; damit ist die Grundlage zur Entstehung 
eines Moores gegeben. — 

Wenn die Verhältnisse der Moorentwickelung günstig bleiben^ 
besonders bei vollständiger Wasserundurchlässigkeit des Bodens, der 
entweder aus festem Fels, Letten oder Lehm bestehen kann, wächst 
das Moor in die Höhe, indem die untersten Schichten absterben und 
bei Luftabschluß vermodern, während oben die Pflanzen fort vegetieren ; 
so vermag das Moor in 30—40 Jahren um einen Meter an Mächtigkeit 
zuzunehmen. 

Die Masse, aus welcher das Moor besteht, ist ein brauner bis 
schwarzer Brei, sogenannter Torf, welcher aus verkohlten Pflanzen- 
teilchen zusammengesetzt ist; nach unten wird diese Masse fest, hart 
und dicht, , f Pechtorf", während sie nach oben schwammig und lockerer 
ist und „Moostorf oder Wurzeltorf" heißt. Würden diese Wiesen und 
Hochmoore, wie sie gegenwärtig infolge der künstlichen Entwässerung 
allerdings nur in sehr beschränkter Ausdehnung im Aussiger Bezirke 
noch anzutreffen sind, von Sand und Schlammschichten bedeckt werden, 
so müßten dieselben im Laufe der Zeiten zu Braunkohlenflözen um- 
gewandelt werden. 

Je länger auf die Torfmasse Druck, Feuchtigkeit und Wärme ein- 
wirken, desto mehr verringert sich das Volumen; dagegen wird gleich- 
zeitig der Gehalt an Kohlenstoff von 44 bis auf 57 Prozent gesteigert. 
Aus dem Torf wird Braunkohle. — Im Aussig-Karbitzer Braunkohlen- 
Revier erreichen die Flöze im Durchschnitte eine Mächtigkeit von 
15 — 16 Metern, doch war zu deren Bildung mindestens eine 30-40 
Meter hohe Moor decke notwendig. Über derselben kam eine 50-100 
Meter mächtige Hangend-Schicht zur Ablagerung, die teils aus Lehm 
und Schotter, teils aus Schieferletten besteht. Nur dort, wo isolierte 
Basalte sich durch das Flöz geschoben haben, wie bei Strisowitz und 



- 26 - 




Eig. 9. Vitriolkies von Karbitz. 
(Gymnasium.) l / 2 der nat. Größe. 



Deutsch-Neudörfel, wurden einzelne Partien zu überraschender Höhe 
emporgeschoben. 

Am Abhang des Erzgebirges, zwi- 
schen Arbesau und Tellnitz, nördlich der 
Dux-Bodenbacher Bahn, steht sogar die 
Kohle über Tag an. Die tiefste Lage im 
Bezirke hat das Flöz bei Sobochleben, wo 
es bis ins Niveau des Nordseespiegels 
versunken ist. Die bedeutende Last der 
aufliegenden Gesteinsdecke wirkt pressend 
und erwärmend auf das durchfeuchtete 
Flöz, die sich bildenden Gase, Kohlen- 
säure, Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoffe, 
vermögen nicht zu entweichen und gehen 
mit der Kohle leicht zersetzbare Verbin- 
dungen ein, doch zeigt dieselbe das Be- 
streben, der zurückgebliebenen Kohlenwasserstoffe sich möglichst schnell 
zu entledigen, sobald sich örtlich durch Schachtanlagen die Druckver- 
hältnisse ändern. So entstehen die schlagenden Wetter, das sind 

Gemenge von Kohlenwasserstoff- und 
Kohlenoxyd-Gas, welche durch ihre gifti- 
gen Eigenschaften und ihre leichte Entzünd- 
lichkeit die Bergleute bedrohen. 

Im Moor und Sumpfboden vollziehen 
sich sehr häufig Neubildungen von Eisen- 
kies und Vitriolkies (Fig. 9); dieselben 
Mineralien finden sich auch eingesprengt in 
den Braunkohlenflözen und den sie begleiten- 
den Lettenschichten des Gebietes. Unter Zu 
tritt von Luft verwandeln sich diese Mineralien 
in Eisenvitriol und freie Schwefelsäure, 
letztere zerstört in der Nachbarschaft befind- 
liche organische Substanzen, verwandelt et- 
wa vorhandenen Kalkspat in Gips, zersetzt 
den Ton und bildet Tonerdesulfat (Alaun- 
schiefer von Komotau). Durch diese che- 
mischen Vorgänge wird zuweilen eine so 
hohe Temperatur erzeugt, daß es sogar 
zur Selbstentzündung der Flöze kommen 
Fig. 10. Roter Toneisenstein mit kann. Infolge solcher Flözbrände wurden 
stengeliger Absonderung, von ^ie Letten, welche das Flöz überlagerten 
Ki %mT%t:ili^:r l f '«rte, meist ziegelrote oder gelbgefärbte 




verschlackte Massen, oder auch zu sogenanntem Porzellanjaspis umge- 
wandelt. In Gesellschaft dieser Erdbrand-Produkte finden sich im 
Kleischer Grunde rote Toneisensteine, welche infolge der Hitze ihren 
Wassergehalt eingebüßt haben und durch diesen Substanzverlust eine 
stengelige Absonderung annahmen. (Siehe Abbildung Fig. 10). 

Von geringerer Bedeutung sind hierorts 
die Bildungen von Sumpf- oder Morast- 
Erz, welche ab und zu in Gräben und 
Tümpeln auf Moorwiesen beobachtet werden 
können. Dieselben vollziehen sich aus eisen- 
haltigem Wasser unter Mitwirkung winzig 
kleiner Stäbchenalgen, welche zu Millionen 
solche Wasseransammlungen bewohnen und 
auf der Oberfläche buntgefärbte dünne Häute 
bilden; durch Aufnahme von Sauerstoff er- 
zeugen dieselben Eisenoxyd; dadurch werden 
die Häutchen schwerer und sinken unter. 
So holen die Pflänzchen unausgesetzt Eisen- 
oxyd vom Spiegel herunter und sammeln 

ic- i t • ., r> a Fig. 11. Sumpferz mit Ein- 

selbes als Eisenrost „Limomt« am Grunde * chluß von ! Birkenholz . 

an. Die Abbildung (Fig. 11) zeigt ein Stück Bilin. (Stadt -Museum.) 
Sumpf-Erz mit Einschluß von Birkenholz, 7 2 der natürlichen Größe, 
dessen charakteristische Rinde noch sehr gut erhalten ist. 

Die in den Hangendschichten der Braunkohlenflöze am neuen 
Friedhof bei Aussig, bei Karbitz u. a. O. eingeschlossenen nieren- bis 
brotlaibförmigen konzentrisch schaligen Konkretionen von tonigem 
Sphärosiderit dürften zur Tertiärzeit in ähnlicher Weise unter Mit- 
wirkung eisenkarbonathaltiger Quellen entstanden sein. Die Oberfläche 
dieser Kugeln ist häufig in gelbroten Limonit umgewandelt, da durch 
die Einwirkung des Regens und der Luft das Karbonat des Eisens 
Kohlendioxyd abgibt und dafür Sauerstoff und Wasser aufnimmt. 

Endlich müssen an dieser Stelle auch die Stückeltange (Diatoma- 
ceen) genannt werden; dieselben verwenden die im Wasser gelöste 
Kieselsäure zur Herstellung ihres zarten Skelettes. Dort, wo diese 
Pflänzchen massenhaft lebten und starben, häuften sich ihre Kieselpanzer 
in großen Mengen an; diese sind es, welche den dünnplattigen Polier- 
schiefer zusammensetzen, der in Schönpriesen, Sulloditz, Sebusein und 
in Kutschlin bei Bilin oft mehrere Meter mächtige Lagen bildet. 




- 28 - 



j 



Die geologischen Wirkungen der bewegten Luft. 

Ein Hauch der Luft, 

Ein Körnchen Sand, 

Sind Wunder -Werkzeug' 

In Gottes Hand. Zschokke. 

Die Lufthülle der Erde ist überall mehr oder weniger mit Staub 
erfüllt; der größte Teil dieses Staubes wird von den Winden an der 
Oberfläche des Steingrundes aufgetrieben und emporgewirbelt, doch 
fällt Staub auch aus dem Weltenraum durch den Luftkreis zur Erde 
hernieder. Der erstere heißt tellurischer ; der letztere kosmischer 
Staub; beide schweben oft lange in der Atmosphäre, bis sie irgend- 
wo auf einer festen Unterlage zur Ruhe gelangen, um vielleicht bald 
neuerdings aufgewirbelt zu werden. Ablagerungen und Neubildungen 
von Staub sind demnach überall beständig im Gang. Während mäßiger 
Wind nur feinen Staub empor zu tragen vermag, können heftige Wirbel- 
stürme auch Wolken von Sand und selbst kleinere Steinchen in bedeutende 
Höhen heben. 

Ein aufsehenerregender Staubfall wurde z. B. im Jahre 19Q3 
am 19. April im Weichbilde der Stadt Aussig beobachtet; es fiel an 
diesem Tage bei starkem Südwestwinde und vollständig bewölktem 
Himmel ein sehr feiner zimmtbrauner Staub, der sich ganz besonders 
auf den weißen Marmordenkmalen des neuen Friedhofes auffallend 
bemerkbar machte; es scheint derselbe mit jenem Staub übereinstimmend 
zu sein, der öfter in den Alpenländern die Braunfärbung des Schnees 
hervorruft und als Passatstaub bezeichnet wird. 

Viel seltener noch treten bei uns wirkliche Steinregen auf; ein 
solcher fand am 30. April 1899 um 9 l / 2 Uhr vormittags in Aussig 
statt. Unmittelbar vor dem Ausbruch eines heftigen Gewitters erhob 
sich ein Wirbelsturm, welcher aus Südwesten kommend, Sandwolken 
und Steinchen über die Stadt führte. Die letzteren, meist kantige Basalt- 
stückchen von Haselnuß- bis selbst Wallnußgröße, fielen in der Teplitzer 
Straße, Dr. Schmeykalstraße, Langengasse, am Marktplatz und in der 
Klostergasse nieder, während Sand und Kohlenstaub über die Elbe 
gegen Schwaden hin fortgeweht wurden. 

Zwischen Sand und Staub besteht der Unterschied, daß ersterer 
trotz seiner Beweglichkeit keine weiten Wege zurücklegt, sondern nur 
schmale, windbestrichene Gebiete bedeckt, während der Staub, dank 
seiner außerordentlichen Feinheit, weit über Länder und selbst Meere 
vertragen werden kann.*) 

Der Wind begnügt sich jedoch nicht allein damit, daß er trans- 
portiert, sondern erwirkt auch unmittelbar zerstörend auf Gesteine 

*) Die feinsten vulkanischen Aschenteile schweben lange in der Luft und werden 
von den Winden bis in die entferntesten Gegenden getragen (Ausbruch des Krakatau 1883). 



- 29 - 



ein. Die mit Gewalt gegen Felsen geschleuderten Sandkörnchen wirken 
wie Sandgebläse, sie arbeiten die weicheren Stellen heraus und glätten 
die harten; so entstehen beispielsweise die wabenartigen Strukturen an 
der Oberfläche der Quadersandsteinfelsen des Tyssaer Labyrinthes und 

In der Diluvialzeit wurde 
vom Winde Staub in^ einer 
durchschnittlichen Mächtigkeit 
von 4 — 5 Meter im Gebiete des 
Mittelgebirges abgelagert. 
Derselbe bestand aus feinen 
abgerundeten Quarzkörnchen, 
gemengt mit Ton- und Kalk- 
teilchen, Glimmerschüppchen 
und einigen anderen Mineral- 
partikelchen. Die angeführten 
Bestandteile sind so locker — 
fast tuffartig — gelagert, daß 
der daraus entstandene Löß 
leicht Wasser aufnehmen und 
festhalten kann. Diese für die 
Fruchtbarkeit solcher Ablage- 
rungen so wichtige Eigentüm- 
lichkeit wird noch gesteigert 
durch ein System feiner Röhr- 
chen mit verkalkten Wänden, 
welche von Pflanzenwurzeln 
herrühren. Der Löß umschließt 
an manchen Stellen zahlreiche 
Landschnecken und führt in 
seinen tieferen Lagen Knochen und Zähne ausgestorbener Säugetiere. 
Besonders reich an solchen Resten ist das Lößvorkommen an der 
Türmitzer Straße, welches das Material für die Ziegelei von Richters 
Erben liefert.*) 

Häufig trifft man in demselben Knochen vom Mammut, Nashorn, 
Pferd, Rind, Edelhirsch und Rentier, selten Skeletteile vom Höhlenlöwen, 
Wolf, Bobak, Wildschwein und Steinbock; es sollen aber auch solche vom 
Pferdespringer und von der Saiga-Antilope hier gefunden worden sein. 

Pferd, Saiga-Antilope, Bobak und Pferdespringer sind ausgesprochene 
Steppentiere; Dickhäuter, Hirsche und Rinder sind Weidetiere, die 

*) Herr Stadtrat F. Maresch ist seit Jahren mit schönem Erfolg bemüht, diese 
wertvollen und interessanten Reste für das Stadt-Museum zu sammeln. 



des Elbtalgebirges. (Vergl. Tafel III). 




Fig. 12. Landschnecken -Gehäuse im Löß 

von Türmitz. 
7 2 der natürlichen Größe. (Stadt-Museum.) 



- 30 - 



[ 



besonders während der günstigeren Jahreszeit die ausgedehnten Gras(- 
flächen besuchten; ihnen folgten auf dem Fuße die großen Raubtiere.} 
Endlich kamen auch Menschen, welche jagend dieses Gebiet durch-/ 
streiften und als deutliche Spuren ihres Tuns und Treibens Feuerstein-' 
waffen und Knochenwerkzeuge hinterlassen haben. 

Während die großen Dickhäuter der Quartärzeit ausstarben und 
die Steppenbewohner nach Norden und Osten ausgewandert sind, haben 
sich noch manche typische Steppen pflanzen im Löß-Gebiete erhalten, 
so z. B. Adonis vernalis, Ranunculus illyricus, Arabis brassicaeformis, 
Oxytropis pilosa, Astragalus excapus, Potentilla alba, Nonnea pulla, 
Stipa pennata und Stipa capillata etc. Diese Glieder einer ausgesprochenen 
Steppenflora dürften wohl mit vollem Rechte als die lebenden Über- 
reste oder Relikte der diluvialen Flora betrachtet werden. 

Löß kommt nur in Gegenden vor, welche früher Steppen- 
klima hatten und wo durch Verwitterungsvorgänge und Erosion reich- 
lich Gesteinsmassen zertrümmert wurden. Winde trugen den erzeugten 
Staub über Täler und Hügel, bis er sich endlich als deckenartige 
Lagerung niederschlug oder aber im Windesschatten als Flankenlöß am 
Saume der Gehänge ansammelte (Siehe Tafel IX). Der auf die geschilderte 
Weise als äolische Bildung entstandene Löß wurde zuweilen vom 
Wasser überflutet, umgelagert, das heißt geschichtet oder entkalkt (aus- 
gelaugt) und so in eigentlichen Lehm übergeführt. Durch die Ein- 
wirkung von Sickerwasser auf Löß entstehen in demselben seltsam 
geformte harte Zusammensinterungen von Kalk und Ton, die sogenannten 
»Lößmännchen" oder „Lößkindeln". 

Dem Löß und Lehm nahe verwandt ist der Laterit »terra rossa"; 
derselbe entsteht beim Zerfall vulkanischer Gesteine und enthält nur 
noch die letzten unangreifbaren Zersetzungsrückstände, das sind vor- 
herrschend Tonerde und Eisenoxyd. Er bildet einen roten, trockenen, 
durchlässigen Boden, welcher unter heftigen Regengüssen zuweilen 
steinhart wird, daher den Namen Laterit (latera = Ziegelstein) führt. 

Wind und Wasser tragen die feinen Bestandteile des Laterites mit 
sich fort und lagern sie oft als rote Tone und Sande ab, die sogenannten 
sekundären Laterite bildend. 

-M- 

Die geologischen Wirkungen des Wassers, der Luft und der Lebe- 
wesen sind auf Bewegungen zurückzuführen, welche von der Sonnen- 
wärme als Kraftquelle hervorgerufen wurden; die nachfolgend geschilderten 
geologischen Vorgänge haben ihre Ursache in der Eigenwärme des 
Erdkernes, sowie in der allmählichen Wärmeausstrahlung desselben in 
den kalten Weltenraum. 

Nr 



O. Bruder: Geologische Skizzen. 



Partie aus der Ziegelei von Richters Erben. 

(Türmitzer Straße bei Aussig.) 



Tafel IX. 




Lotrecht zerklüfteter Flanken-Löß, dessen tiefere Lagen Reste ausgestorbener Säugetiere 

des Diluviums enthalten. 
Die Oberfläche des Löß ist mit einer 3 /* tn mächtigen Lage schwarzer Dammerde bedeckt. 

Vergl. Text Seite 29, 30 und 61. 



- 31 - 



Die geologischen Wirkungen des Erdinnern. 
I. Vulkanismus. 

Und Schlag auf Schlag dumpfkrachend Getös 

Von tausend und tausend Gewittern, 

Die Erde barst, es durchzuckte sie tief 

Ein Schüttern und Zittern und Splittern, 

Bis steil majestätisch der feurige Kern 

Den klaffenden Spalten entsteiget, 

Und trümmerbesäet sich Land und Flut 

Dem Sau 1 en gewa 1 ti gen neiget. 

J. V. v. Scheffel. 

Das von der Elbe und ihren Zuflüssen durchfurchte Mittelgebirge 
zeigt ausgesprochen den Charakter einer vulkanischen Landschaft. 
Die zahlreichen Kegelberge, Kuppen und Dome erweisen sich als Vul- 
kanruinen, als die abgezehrten Kerne erloschener feuerspeiender Berge, 
deren Kraterwall und Aschenmantel den abtragenden Kräften anheim- 
gefallen ist. Auch die Wechsellagerung harter Felsen und weicher 
Aschen, welche für eine solche Landschaft so bezeichnend ist, finden 
wir hier. — Aus der Lava ist fester schwarzer Basalt geworden, der 
steile Felswände oder klippenartige bis pfeilerförmige Hervorragungen 
bildet, während die Asche zu Tuffen zusammengesintert ist, die durch 
helle, graue oder rötliche Farben sich auszeichnen und infolge der ge- 
ringen Härte meist sanfte Böschungen aufweisen. 

Der Vulkanismus ist eine Wirkung aus dem Erdinneren heraus; 
will man ihn verstehen lernen, so muß man sich in das Innere der 
Erde versetzt denken. Da sich aber die tieferen Schichten der Erd- 
kruste und das Erdinnere selbst unserer direkten Beobachtung ent- 
ziehen, so können nur Vermutungen und Hypothesen über dieselben 
aufgestellt werden. 

Auf dem Grunde eines tiefen Schachtes ist es stets viel wärmer 
als in der Nähe der Oberfläche; je tiefer man hinabsteigt, um so wärmer 
wird es. Bohrt man ein tiefes Loch behufs Wassergewinnung in die 
Erde und bestimmt die Temperatur des erbohrten Wassers, so erweiset 
sich dieselbe stets wärmer, als es der mittleren Jahrestemperatur des 
betreffenden Ortes entspricht. Man hat gefunden, daß in der Regel 
unterhalb jener Zone, welche von den Temperaturschwankungen der 
Jahreszeiten beeinflußt wird, die Temperatur bei einer Tiefenzunahme 
von 30-33 m um je 1° C. steigt. 

In einer Tiefe von etwa 66 km müßte demnach die enorme Hitze 
von 2000° C herrschen, bei welcher alle bekannten Gesteine und 
Mineralien geschmolzen sein sollten, falls sie der bedeutende Druck, 
der hier stattfindet, nicht an dem Obergang aus dem ersten in den 
zweiten Aggregationszustand hindern würde. Nimmt man die Mächtigkeit 



der erstarrten Erdrinde mit 66 km an, so ist das etwa der hundertste 
Teil des Erdhalbmessers. (Äquatorialhalbmesser = 6,377.377 km). Von 
dieser vermutlichen Dicke der festen Erdkruste kennen wir kaum ein 
Dreiunddreißigstel, denn die tiefsten Grabungen und Bohrungen, die 
man bisher durchführte, überschreiten nur in einem einzigen Falle 2000 m 
Teufe um ein weniges. In Anbetracht des enormen Druckes, welcher in so 
bedeutenden Tiefen herrschen muß, ist es jedoch wahrscheinlich, daß hier 
die Gesteinsmasse, das sogenannte Magma, zwar die bezeichnete hohe 
Temperatur besitzt, aber demungeachtet sich in einem festen, wenn auch 
plastischen Zustande befindet. Bildet sich an irgend einer Stelle der Erd- 
rinde infolge geologischer Vorgänge eine tiefreichende Spalte, so findet 
über dem überhitzten Magma an dieser Stelle eine plötzliche Druckver- 
minderung statt, so daß die starren Massen in Schmelzfluß geraten 
und sich gleichzeitig stark ausdehnen, zu Lava aufquellen. Die 
eingeschlossenen Wasserdämpfe entweichen explosionsartig und reißen 
die Lava mit sich empor. 

A. Die primären Gesteine. 

In der geschilderten Weise kamen die primären Gesteine an die 
Oberfläche. Allen primären Gesteinen fehlt eine Schichtung vollständig, 
die bei ihnen zu beobachtende säulenförmige, plattige oder kugelige Abson- 
derung ist auf Abkühlungseinflüsse und Substanzverlust infolge Wasser- 
dampf- und Gasabgabe bei der Erstarrung der ursprünglich schmelz- 
flüssigen Gesteinsmassen zurückzuführen. An vielen Basalten, Phonolithen 

und Trachyten findet man teils an 
der Oberfläche, oft auch im Innern, 
kleinere oder größere kugelförmige 
oder eiförmige Hohlräume mit glatten 
Wänden, die zuweilen mit Zeolithen 
oder auch mit neugebildeten Karbo- 
naten ausgefüllt sind. Diese rund- 
lichen, glattwandigen Hohlräume 
beweisen, daß dasGestein einst 
feurigflüssig war. In diesem Zustand 
enthielt es eine große Menge ein- 
gepreßter Dämpfe und Gase, welche 
Fig. 13. Schlackiger Basalt mit blasen- sich erst beim Ausbreiten der glühen- 
förmigen Hohlräumen Schicferbcrg bei den Schmelzmasse, nahe der Ober- 
welbine. '/., der naturlichen Große. „, , . , , . , , , . , 
(Stadt-Museum.) fläche, in zahlreichen kleineren und 

größeren Blasen sammelten. Solche 
blasige und schlackige Beschaffenheit zeigen insbesondere viele Basalt- 
decken, die östlich und nördlich von Aussig sich ausgebreitet haben. 




ü. BRUDER: Geologische Skizzen. Tafel X. 

Der Schreckenstein bei Aussig a. d. Elbe* 

(Absolute Höhe 246 m \ relative Höhe 80 m.) 




Stockbildung von traehytischem Phonolith mit teils plattiger, teils säulenförmiger Absonderung. 



Vergl. Text Seite 33 und 35. 



O. BRUDER: Geologische Skizzen. 

Der Porphyr-Steinbruch zwischen Lichtowitz und Klein-Tschernosek. 



Tafel XI. 




Deckeiiartige Ablagerung von Quarz-Porphyr mit schräg stehenden Säulen, 
welche sich nach oben plattig zerklüften. 

Überlagert von einer 3-4 m mächtigen altdiluvialen Schotterbank. 



- 33 - 



Die Absonderung der eruptiven Gesteine kann an vielen Basalten, 
Phonolithen und Porphyren des Gebietes studiert werden. Schon im 
Weichbilde der Stadt sieht man von den Rudolfsanlagen aus die 
Basalte der Ferdinandshöhe, eine mächtige Decke vorstellend, welche 
sich über roten Tuffen und weißen Braunkohlensandsteinen lagert, deren 
Masse in lotrechtstehende Säulen aufgelöst erscheint. Diese Säulen 
stehen somit zu der fast horizontalen Basis und zur Oberfläche der 
Decke normal. Ebenfalls lotrechtstehende Basaltsäulen bemerkt man 
nördlich und südlich vom Workotsch bei Wannow, an der Straße von 
Pokau nach Postitz (Tafel XII) und an vielen anderen Orten. Weniger 
deutlich und schön tritt die säulenförmige Absonderung in der Regel 
an den Phonolithen auf, obgleich sie auch an ihnen nicht selten be- 
obachtet wird, so z. B. am Schreckensteinfelsen (Tafel X), am Marien- 
berg und am Steinberg bei Krammel. 

Ausnahmsweise zeigt auch der Porphyr eine prächtige säulen- 
förmige Absonderung, wie im Steinbruch zwischen Klein-Tschernosek 
und Lichtowitz (Tafel XI), wo er sich als Decke auf krystallinischen 
Schiefergesteinen ausgebreitet hat. Die Porphyrsäulen stehen hier fast 
lotrecht und schwanken in ihrer Dicke von Arm- bis Schenkelstärke 
und darüber. 

Die tafelförmige Absonderung fehlt bei den Basalten nicht 
vollständig, wie dies am Fuchsberg, südlich von Salesel, zu sehen ist. 
Die Tafeln haben hier kaum eine Dicke von 2 — 3 cm, liegen nahezu 
wagrecht und ordnen sich zu meist vierkantigen, pfeilerförmigen Fels- 
massen. Sie werden wegen ihrer leichten Teilbarkeit von den Stein- 
brechern als „Basaltschiefer" bezeichnet und umschließen ei- bis kopf- 
große Hohlräume, die mit schneeartigem Natrolith oder diamantglän- 
zendem Analzim nebst weingelbem Kalzit erfüllt zu sein pflegen. (Fig. 2, 
Seite 12.) Ebenso tritt dieselbe bei den den Basalten nahestehenden 
Hauyn-Tephriten auf, z. B. am Strisowitzer Berg. 

Nicht selten erkennt man, daß die tafelförmige Absonderung mit 
der säulenförmigen gleichzeitig auftritt, indem die Säulen, insbesondere 
unter dem Einflüsse der Verwitterung, sich senkrecht zu ihrer Axe in 
Platten auflösen, welcher Vorgang auch an den Porphyrsäulen im 
Tschernoseker Steinbruch (siehe Tafel XI, links oben) wahrzunehmen ist. 

Während die tafelförmige Absonderung bei den Basalten und 
Porphyren nur ausnahmsweise auftritt, wird dieselbe bei den Phonolithen 
zur Regel. So zeigen die Klingsteine des Milleschauer oder Donnersberges 
(835 m), des Teplitzer Schloßberges (392 m), des Schreckensteines (246 m) 
etc. die Neigung, sich in dünne Platten aufzulösen, welche meist gleich- 
mäßig nach allen Seiten der domförmigen oder kegelförmigen Berge 
abfallen. Es scheint, daß das Magma, welches die Phonolithe lieferte, 



- 34 - 




nicht so mit Wasserdampf gesättigt war wie jenes, aus welchem die 
Basalte entstanden ; das sehr zähflüssige Gestein bildete wohl über dem 
Schlote an der Oberfläche zumeist Kuppen oder glockenförmige Auf- 
stauungen der Ergußmasse, (eine Quellkuppe, die auch als homogener 
Vulkan oder Domvulkan bezeichnet wird); oder aber es bewirkte 
eine Auftreibung der darüber lastenden Gesteinsschichten, ohne die- 
selben zu durchbrechen, wie dies bei den Lakkolithen der Fall ist. 

Zwischen der säulenförmigen und der plattigen 
Absonderung hält die kugelige Absonderung 
die Mitte. Dieselbe dürfte ein Produkt der fort- 
schreitenden Verwitterung sein und ist aus der 
säulenförmigen Absonderung durch quere Zer- 
klüftung mit folgender Abrundung der Kanten 
und konzentrischschaliger Auflösung hervorgegan- 
gen. Diesen Vorgang kann man sehr schön ver- 
folgen an den Basaltfelsen, welche an der Straße 
Fig. 14. Kugel-Basalt VQn p okau nach p ostitz (Tafd XH) anste hen, so- 
mit konzentrischschaliger . , , _ , ' , , ' . 
Auflösung, von Kulm. wie aucn an den Basaltfelsen, auf welchen die 
der natürl. Größe. „Restauration zur Ferdinandshöhe" erbaut ist. 
(Gymnasium.) Bekannt sind übrigens wegen ihrer prächtigen 
kugelförmigen Absonderung die olivinreichen Basalte von Kulm (Fig. 14) 
und die Porphyre des Turner Parks bei Teplitz. 

Die Absonderungsklüfte der Basalte enthalten oft Auslaugungs- 
produkte, insbesondere häufig Aragonit und rötlichen Eisenton, zu- 
weilen auch sogenannte Bergseife, wie am Galgenberge bei Aussig 
und bei Kleische. - 

Da alle Ergußgesteine aus der Tiefe stammen, mußten sie beim 
Empordringen bereits gebildete Gesteine durchsetzen, d. h. sie zeigen 
eine durchgreifende Lagerung. In die vielen Sprünge und Risse 
der Erdkruste, welche sich zur Zeit der Eruption bildeten, wurde lava- 
artiges Magma hineingepreßt und so die Bildung von Gesteinsgängen 
bewirkt. — Ein sehr lehrreicher und interessanter Gangkörper ist der 
weltberühmte Workotsch*) bei Wannow (Tafel XIII). Derselbe ist der- 
einst in einer mächtigen vertikalen Spalte entstanden, welche sich im 
oligocaenen Braunkohlensandsteine gebildet hatte. An seiner Basis 
lagern Tonmergel der Kreideformation, welche von dem heißen Gesteins- 
magma hart gebrannt wurden. 

Während der harte, fast dicht erscheinende Feldspat-Basalt der 
Verwitterung und Erosion mit Erfolg getrotzt hat, sind die viel weicheren 
Sandsteine zerstört und abgetragen worden, so daß gegenwärtig der 
Gangkörper fast ganz bloßgelegt ist und als romantisch zerklüfteter Grat 
*) Audi Warkotsch. 



G. BRUDER: Geologische Skizzen. 

Basaltfelsen zwischen Pokau und Postitz. 



Tafel XII. 




Vergl. Text Seite 33 und 34. 



G. Bruder: Geologische Skizzen. Tafel XIII. 

Der Workotsch oder Ziegenrücken bei Aussig a. d. E. 




Aus der Umhüllung ausgeschälter Gangkörper von Feldspat-Basalt 
mit fiederförmiger Säulenstellung. 



Vergl. Text Seite 34 und 35. 



- 35 - 



fast 300 Meter gegen das Elbetal vorspringt. An der steil abstürzenden 
Stirnseite des Felsens zeigen die schlanken ebenflächigen Säulen eine 
deutlich federförmige Anordnung. Da die Gangwände als Abkühlungs- 
flächen im Norden und Süden des Gangkörpers fast lotrecht standen 
und von Osten nach Westen streichen, so erfolgte hier die Säulenstellung 
ebenfalls normal zu den Abkühlungsflächen, d. i. horizontal von Norden 
nach Süden. Nur gegen unten, wo keine Abkühlungsfläche bestand, 
bilden sie einen Fächer. In der Mitte ist eine Kluft zu bemerken, wel- 
che die geschilderte Säulenanordnung symmetrisch teilt. Der Name 
Workotsch, der die Bedeutung „Ziegenrücken" hat, dürfte auf die an 
die Stellung der Haare am Rücken einer Ziege erinnernde Säulen- 
anordnung dieses Felsens zurückzuführen sein. — 

Einen Gangkörper von geradezu gigantischer Entwicklung bildet 
der Porphyrzug des Erzgebirges. Derselbe hat eine Mächtigkeit von mehr 
als 8 km. Er streicht zwischen Nikiasberg und Graupen aus Norden 
herüber und zeigt auf seiner ganzen Ausdehnung eine ziemlich gleich- 
bleibende Breite. Eine Fortsetzung dieses zum Teil mit Kreide und Braun- 
kohlengebilden bedeckten Porphyrganges stellen die Höhen von Teplitz- 
Schönau und weiter südlich die Porphyrmasse des Wopparner Tales vor. 

Während bei den Gängen die Längen-Dimension vorherrscht, 
nehmen die Stöcke eine mehr halbkugelige Gestalt an. Durch Ab- 
tragung der um- und überlagernden Gesteinsschichten werden diese 
Gesteinskörper erst sichtbar (Tafel X, Schreckenstein). Eine in der 
Umgebung Aussigs besonders häufig auftretende Entwicklung der Stöcke 
ist jene, die als Lakkolith oder Zisternenstein bezeichnet wird. 
— Lakkotithen sind, wie bereits erwähnt, domartig gewölbte Eruptiv- 
massen, über welchen die Sedimentgesteine, von denen sie bedeckt 
werden, gleichfalls domartig aufgetrieben erscheinen und vom Zentrum 
aus nach allen Seiten hin gleichmäßig abfallen. 

Ein solcher Lakkolith ist bei Kojeditz aufgeschlossen; es ist eine 
Phonolithmasse, welche zum großen Teile noch von turonem Kreide- 
mergel und oligocaenem Braunkohlensandsteine eingehüllt ist. Auch 
der Trachyt-Phonolith vom Marienberg-Steinberg (Tafel V) ist ein 
solcher Lakkolith, doch hat hier der Ausschälungsprozeß bereits viel 
größere Fortschritte gemacht. Die ursprüngliche Kuppe ist durch die 
Elbe in zwei Teile zerlegt und bereits zur Diluvialzeit aufgedeckt und teil- 
weise mit Gerölle und Schotter überlagert worden, doch können am öst- 
lichen Gehänge noch die den ursprünglichen Mantel bildenden, durch 
die Hitze stark metamorphosierten Mergel, sowie rings um die Braun- 
kohlensandsteine beobachtet werden. — 

Durch das glühendflüssige Magma wurden in der Regel die an- 
grenzenden Gesteine in sehr verschiedener Weise verändert. Diese, 



- 36 - 



teils durch chemische Wirkungen, teils durch hohe Temperatur ver- 
änderte Gesteinszone heißt der Kontakthof. Ein solcher Kontakthof 
ist besonders deutlich zu beobachten im Umkreise des Essexit-Lakko- 
lith von Rongstock; er besteht hier aus Silikat-Hornfels, d. i. 
hartgebranntem Kreidemergel. Der Essexit selbst ist ein Tiefengestein 
von granitähnlichem Aussehen, jedoch abweichender Zusammensetzung. 
Er besteht aus Kalknatron- Feldspat, Magnesiaglimmer, Hornblende, Augit, 
Magnet- und Titan-Eisen und dem seltenen Cankrinit (ein dem Nephelin 
verwandtes Mineral). 

Im Kontakthof finden sich Ausscheidungen von silberhaltigem 
Bleiglanz, Pyrit, Kupferkies, Zinkblende und Silberglanz. Diese Erze 
wurden vor dem dreißigjährigen Kriege in Rongstock bergmännisch 
abgebaut; als Merkzeichen dieses alten Bergbaues sieht man noch 
heute im Köhlergrunde dortselbst einen verlassenen Stollen. Die 
Erzführung des Kontakthofes ist jedenfalls auf Fumarolen und 
Solfataren-Tätigkeit zurückzuführen, d.h. auf das Ausströmen von 
heißen Wasserdämpfen und Exhalationen von Schwefelwasserstoff und 
Schwefeldioxyd, welche noch lange Zeit nach der Eruption des Esse- 
xites angedauert haben dürften. 

Am mächtigsten entwickelt sind im Gebiete des Mittelgebirges 
jedoch Ströme und Decken. Das aus dem Schlot emporgequollene 
Magma hat sich entweder langsam über ein Gehänge herabgewälzt, 
einem feurigen Strome vergleichbar, oder es breitete sich dasselbe auf 
einer mehr oder weniger ebenen und horizontalen Unterlage aus, die- 
selbe weithin mit glühenden Massen bedeckend. Durch die Schlote 
sind die Decken, Ströme und Kuppen gleichsam wie durch Wurzeln 
mit der Tiefe verbunden. Zuweilen ist der obere Teil sowie die um- 
gebenden Schichtengesteine durch Verwitterung und Erosion verschwun- 
den. Dann ragen die vulkanischen Schlote als romantische Felsbildungen 
aus ihrer Umgebung hervor, wie der dreispitzige Sperlingstein (Tafel XIV) 
und die an eine Riesenkanone erinnernde Krebshöhe (Tafel XV). 

Im Zentrum des Mittelgebirges, in der Gegend um Aussig-Groß- 
priesen, lagern drei bis vier Decken übereinander, welche durch zwischen- 
liegende Tuffe getrennt sind. So ruht z. B. bei Klein-Tschochau die 
unterste, aus Feldspatbasalt bestehende Decke auf Braunkohlensandstein, 
darüber folgt eine zweite Decke, welche von Tuffit überlagert wird, 
über dem Tuffit folgt die dritte Decke, auf welcher sich als viertes 
Glied der Basaltkörper des Lechberges aufsetzt. Ganz ähnliche Lagerungs- 
verhältnisse sind auch an beiden Ufern der Elbe, oberhalb und unter- 
halb Aussigs zu beobachten. Die oberste Decke, welche zum größten 
Teil zerstört wurde, bestellt vielfach aus Tephriten, die ticferliegenden 
aus Feldspat-Basalten. Durch die Verwitterung und Abtragung sind 



G. Bruder : Geologische Skizzen. 



Tafel XIV. 



Der Sperlingstein. 

(400 m.) 




Aus der Umhüllung ausgeschälte Schlotausfüllung 
von Nephelin-Basanit (N.) und Trachy-Dolerit (T.) 

(Am Fuße des Felsens eine Schutthalde.) 



Vergl. Text Seite 36. 



G. Brudi-R: Geologische Skizzen. 



Tafel XV. 



Krebshöhe bei Schönpriesen. 

(Kanone.) 




Aus der Umhüllung ausgeschälte Schlotausfüllung von Feldspat-Basalt. 

(Im Vordergrund ein Schuttkegel.) 



Vergl. Text Seite 36. 



- 37 - 



diese vulkanischen Gebilde, die Decken, Ströme und Schlote, teils in 
einzelne Erosions-Kuppen* 1 ) und isolierte Riffe und Pf ei ler* 2 ) aufge- 
löst worden, teils wurden langgezogene, vielfach gelappte Plateaus* 3 ) 
ausmodelliert. 

Das Mittelgebirge ist, wie aus dem Vorstehenden bereits hervor- 
geht, nicht aus einer Gesteinsart aufgebaut, sondern aus sehr verschie- 
denen Gesteinen zusammengesetzt. Ja es gibt kaum zwei Berge im 
Bereiche dieses Gebirges, deren Gesteinarten in jeder Hinsicht über- 
einstimmend wären. Viele Gesteine des Mittelgebirges können nur 
durch genaue Untersuchungen ihrer Dünnschliffe unter dem Mikroskop 
und durch sorgfältige chemische Analyse bestimmt werden. — Da die 
Eruptionen in der Mitte des Gebietes, d. i. in der Umgebung von 
Großpriesen begonnen haben und erst später am Rande auftraten, so 
nimmt sowohl die Gesamtmächtigkeit als auch die Mannigfaltigkeit 
der Eruptivmassen aus der Mitte gegen den Rand hin ab. 

Füz die einzelnen Gesteinsgruppen hat Dr. J. E. Hiebsch ; der 
beste Kenner des Mittelgebirges, nachstehende Altersfolge aufgestellt: 

1. Altere trachytische und tephritische Phonolithe. 

2. Feldspat-Basalte und Basalt-Tuffe. 

3. Trachytdolerite (Hauyn- und Sodalith -Tephrite), Sodalith-Syenit 

und dessen Gangfolge. 

4. Tephrite (Nephelin- und Leuzit-Tephrit, Nephelin - Basanit, 

Tephrit -Tuffe). 

5. Trachyt und Trachyt -Tuffe. 

6. Jüngere Phonolithe, Gänge von Tinguait und Nephelin-Porphyr. 
Zur raschen Orientierung in der petrographischen Nomenklatur 

der primären Gesteine des Erzgebirges und Mittelgebirges möge bei- 
geschlossene tabellarische Übersicht derselben dienen. 



* l ) Sattelberg bei Obersedlitz. 

* 2 ) Basaltpfeiler des Müllersteins bei Salesel und am Wasserfall bei Wannow. 
* 3 ) Elbeberge mit der Humboldtshöhe, Staudenspitze; Plateau von Nemschen mit 
der kleinen und großen Wostrei ( Wostray); auf dem Brand; Strisowitzer Berg. 



Tabellarische Übersicht 
der primären Gesteine des Mittelgebirges und des angrenzenden Teiles des Erzgebirges. 



Struktur und 
Formen der 
Eruptivgesteine 


Gesteine mit vorwiegendem 
Alkalifeldspat 

mit Quarz ohne Quarz 


Gesteine mit vorwiegendem 
Kalkfeldspat 

ohne Nephelin oder Leuzit N ^ lin H u a Äeüz t 


Gesteine ohne eigentlichen 
Feldspat 

mit Nephelin mit Leuzit 3^^™^ 


Krystallinisch 
körnige 
Tiefengesteine 

(Stöcke, 
Gangstöcke und 
Lakkolithen) 


Ohne mit Nephelin 
iSjpnhplin oder Leuzit 

Granit 

Sodalith- 
Syenit 


m. Hornblende 

od. Magnesia- m it Augit 
glimmer 

ohne ohne ^i- • 
Quarz Olivin mit ° llvin 

Diorit Diabas Therolith 

„ . , (Duppauer 
Essexit Gebirge) 




Porphyrische 
und glasige 
Ergußgesteine 

und 

Eruptivbreccien 
(Lakkolithen, 
Schlotausfül- 
lungen, Kuppen, 
Ströme und 
Decken) 


Granit - Leuzit- 
Por P h y Phonolith, 
Hornblende- jsjeplielin- 
Quarz- Biotit- und p honolith 

l IlUUOlllll, 

Porphyr Augit- 

Trachyt Leuzit " 

Trachyt 

Bostc 


Hauyn- 
Tephrit 

Nephelin- 
Tephrit 
Feldspat- Leucit _ 

Basalt Tephrit 
Nephelin- 
Basanit 

Nephelin- 

)nit Porphyr 


Nephelinit Leuzitit mit 01ivin: 
Magmabasalt 

Nephelin- Leuzit- ohne Olivin : 
Basalt Basalt Augitit 


Porphyrische 
und glasige 

Gang- 
gesteine 


dunkle Ganggesteine: Camptonit diese i ben 
Pech- Monchiquit und Mondhaldeit Feldsnat- 
steine u u n + • n n (Gänge und 
bLC1Ilc helle Ganggesteine: Basalt Schlote 

Feisite Gauteit, Sodalith-Gauteit, (Gänge u. bildend) 
Tinguait, Tinguait-Porphyr Schlote) 


Nephelin- 
dolerit 

(Gänge) 




B. Die vulkanischen Trümmergesteine. 

Unter den vulkanischen Gebilden des Mittelgebirges herrschen 
der Menge nach diejenigen vor, welche in loser Form als Asche, 
Lapilli und Rapilli, oder als Bomben und Auswürflinge verschiedener 
Art emporgeschleudert worden waren und als Aschenregen wieder nieder- 
fielen, auf diese Weise als sogenannter Aschenmantelinder Nähe des 
Eruptivschlundes sich ansammelten und aufbauten. — So ist z. B. das 

Gestein, von welchem nebenstehendes Bild (Fig. 15) 
ein Handstück darstellt, aus vulkanischer Asche 
entstanden. Man sieht, daß es aus eckigen Bruch- 
stücken eines schwammigen Basaltes besteht, 
die in feiner vulkanischer Asche eingebettet er- 
scheinen. Nachträglich wurde diese Asche unter 
Mitwirkung von Sickerwasser gefestiget. So 
entstand ein Brockentuff, wie er des öfteren 
als Zwischenlager von Basaltdecken auftritt, z. B. 
am Brand, Bertagrund, Elbeberge, Rockelloch etc. 

Wenn vulkanische Asche in stehendes 
Fig. 15 Brockentuff vom Wasser fiel oder von fließendem Wasser fort- 
Brand. 1 / 2 der naturl. 

Größe. (Gymnasium.) geschwemmt und an anderer Stelle wieder ab- 
gesetzt wurde, dann bildeten sich wohl den 
Tuffen ähnliche, aber mehr oder weniger deutlich geschichtete Ge- 
steine, die man als Tuffite bezeichnet; dieselben enthalten zuweilen 
gerollte Quarzkörnchen und nicht selten 
auch Blattabdrücke. 

Mit den Tuffen dürfen jedoch nicht 
die Vulkanischen- und Eruptiv- Breccien 
verwechselt werden; dieselben bestehen 
aus verschieden großen, meist etwas ab- 
gerundeten Bruchstücken von Basalt, 
welche durch schlackigen, porösen Basalt 
mit einander verkittet sind, auch Bruch- 
stücke von Gneis, Glimmerschiefer, Sand- 
stein und Mergel sind zuweilen mit einge- 
schlossen. Diese interessanten Gesteine 
finden sich in der Regel in viel tieferen 
Lagen als die Tuffe und dürften höchst- 
wahrscheinlich Teile vulkanischer Schlot- 
ausfüllungen sein, welche einige hundert 
Meter unter dem ehemaligen Niveau zur Fig- Vulkanische Breccie. Schlucht 

& " unter dem Dubitzer Kirchlein. l /s der 

mg gekommen sind. Die über natürl. Größe. (Stadt-Museum.) 




- 40 - 



dem heute zugänglichen Teile dieser Körper einstens gestandenen 
säulenförmigen Ausfüllungen sind in der Regel bis auf einen mehr 
oder weniger unbedeutenden Stumpf abgetragen worden. Vulkanische 
Breccien mit Einschlüssen von Glimmerschiefer und Gneis finden sich 
südlich von Topkowitz bei Kilometer 529'32 der Staats -Eisenbahn- 
Gesellschaft; auch der Katzenstein dortselbst ist ein basaltischer Schlot 
mit Einschlüssen von Granit, Quarz-Porphyr und Essexit. 



II. Gebirgsbildung. 

Als die Natur sich in sich selbst gegründet, 
Da hat sie rein den Erdball abgerundet, 
Der Gipfel sich, der Schluchten sich erfreut, 
Und Fels an Fels und Berg an Berg gereiht! 

Goethe. 

Vulkanische Eruptionen und vulkanische Erdbeben, welche als 
Begleiterscheinungen der ersteren auftraten, stellen nur die äußerlich 
wahrnehmbaren Anzeichen jener großartigen Massenbewegungen in der 
Erdkruste dar, die als Gebirgsbildung bezeichnet werden. In der Geographie 
versteht man unter einem Gebirge eine Gruppe ansehnlicher Boden- 
erhebungen. Vom geologischen Standpunkte beurteilt, können die 
Gebirge ihrer Entstehung nach sehr verschiedenartiger Natur sein. 

So stellt sich das Elbesandsteingebirge hauptsächlich als 
als ein Produkt der mechanischen Tätigkeit des Wassers dar. 

Der Quadersandstein, aus welchem dieses Gebirge besteht, ist durch 
die zerstörende und wieder aufbauende Kraft des Wassers gebildet 
worden; derselbe breitete sich ursprünglich als eine zusammenhängende, 
mehr als 500 m mächtige Plateaumasse über das nördliche Böhmen 
und einen großen Teil Sachsens aus. Seine Schichten liegen vor- 
herrschend fast horizontal und sind von zahlreichen netzartig angeordneten 
vertikalen Klüften und Spalten durchsetzt. Die Ausarbeitung der Täler 
und Bergrücken zu wildromantischen Schluchten und Klammen, pitto- 
resken Felsgebilden, kühnen Felstoren und großartigen Höhlen besorgt 
das fließende Wasser, der Elbestrom und seine Zuflüsse. Seit ungezählten 
Jahrtausenden setzt sich diese Arbeit fort bis zur Gegenwart. Am Steil- 
rand des Gebirges läßt sich jeweilig die Linie erkennen, bis zu welcher 
dieser Prozeß gediehen ist. 

Die vulkanische Natur des Mittelgebirges ist bereits im Vor- 
hergehenden ausführlich begründet worden. Eine dritte Gebirgsform 
erblicken wir in der wenig gegliederten Masse des Erzgebirges, 
welches zum Teile mit seinem Kamm die natürliche Grenze zwischen 
Böhmen und Sachsen bildet. Der Hauptsache nach besteht das Erz- 



G. Bruder: Geologische Skizzen. 

Die Gneisfelsen zwischen Libochowan und Gr.-Tschernosek. 

(Porta Bohemica, rechtes Elbe-Ufer.) 

b) a) 



Tafel XVI. 





- 41 - 



gebirge aus uralten Schiefergesteinen, wie z. B. aus Gneis, Glimmer- 
schiefer und Urtonschiefer, welche teilweise von Granit, Porphyr, Basalt 
und Phonolith durchbrochen wurden. 

Die Schichten der Schiefergesteine sind hier zu mächtigen Falten 
aufgestaut und die Kammlinie erweiset sich von der Anordnung und 
dem Verlauf dieser Falten abhängig, während die Erosion nur die 
Ausarbeitung der Quertäler und Gründe bewirkte. Das Erzgebirge 
ist demnach der Typus eines Kettengebirges von unsym- 
metrischem Bau, da sein nördliches Gehänge allmählich gegen Sachsen 
hin abfällt, während sein südlicher Absturz jäh nach Böhmen zu abbricht. 

Brüche sind Spalten, welche den Zusammenhang zwischen ur- 
sprünglich einheitlichen Massen der Erdkruste auflösen und meist mehr 
oder weniger steil in die Tiefe setzen. — In der Regel ist der Zwischen- 
raum zwischen den beiden Seitenwänden der Bruchspalte durch einen 
Gang, sei es nun ein Mineral-, ein Erz- oder Gesteins-Gang, geschlossen. 

Die Bewegungen der Massen zu beiden Seiten des Bruches sind 
unter sich sehr verschieden; die geologischen Verhältnisse des Erz- 
gebirges lassen erkennen, daß der südliche Flügel der großen Gebirgs- 
falte längs der entstandenen Bruchspalte in die Tiefe gesunken ist, und 
zwar beträgt die sogenannte Sprunghöhe im Durchschnitt fast tausend 
Meter. Ein Bruch und eine Falte scheinen zwei, ihrer Natur nach 
wesentlich verschiedene Bildungen zu sein, doch gehen sie zuweilen 
ineinander über. So beobachtet man bei einigen Verwerfungen von 
Braunkohlenflözen die sogenannte Schleppung der Bruchränder, d. h. 
man sieht, daß an der Spalte die Schichten des tiefer abgesunkenen 
Flügels nach aufwärts, die des anderen nach abwärts gebogen wurden. 

Nach der Stellung der Falten unterscheidet man normale (Tafel XVI), 
schiefe, liegende und horizontale Faltenbildung; wo dieselben zu Syste- 
men angeordnet sind, wechseln in regelmäßiger Folge Mulden (Syn- 
klinalen) und Sättel (Antiklinalen) miteinander ab. So häufig in den 
Kettengebirgen das Auftreten von gefalteten Gesteinen beobachtet wird, 
so ist dennoch die Art und Weise ihres Zustandekommens nicht be- 
friedigend erklärt worden. Im Erzgebirge sowie in den krystallinischen 
Inseln von Tschernosek und Bilin erweisen sich sowohl die Gneise als 
auch die Glimmerschiefer, Amphibolschiefer und Urtonschiefer an ver- 
schiedenen Stellen auf das zierlichste gefaltet. Die Abbildung (Fig. 17) 
zeigt ein quer durchbrochenes Gneisgerölle. An diesem Stück erkennt 
man scharfe, spitzwinklige Falten mit feinen Sprüngen und kleinen 
Verwerfungen an den Scheiteln, welche darauf hindeuten, daß der 
Gneis zur Zeit der Faltenbildung sich in keinem sehr weichen Zu- 
stande befunden haben kann, da er sonst nicht geborsten wäre. Immer- 
hin aber muß derselbe einen gewissen Grad von Biegsamkeit besessen 



- 42 - 



haben, da seine Schichtlagen so fein gefaltet wurden. Dagegen haben 
die bedeutend jüngeren Plänerkalke und die Quadersandsteine, sowie 
nicht minder die Gebilde der Braunkohlenformation den pressenden 
Kräften einen viel größeren Widerstand geleistet, denn von ihnen gilt 
das Gesetz: „ Lieber brechen als biegen." 




Fig. 17. Gefalteter Gneis. Quartär-Gerölle aus dem Weichbilde Aussigs. 
V 3 der natürlichen Größe. (Stadt-Museum.) 



Fragen wir uns nun weiter nach der Natur der pressenden Kräfte, 
durch welche die Faltung geschichteter Gesteine verursacht wurde. 
Denkt man sich eine bereits vorhandene Falte wieder ausgeglättet, die 
Schichten wieder in ihre horizontale Lage versetzt, so werden sie einen 
größeren Flächenraum einnehmen als zuvor im gefalteten Zustande. 
Faltung stellt daher einen Zusammenschub des geschichteten Gesteins- 
materiales auf einen kleineren Raum dar. Man darf somit wohl an- 
nehmen, daß eine horizontale Zusammenpressung vorhandene Schichten- 
komplexe in Falten legt. Die Falten der Erdkruste erstrecken sich 
nicht bis in bedeutende Tiefen, unter ihnen muß eine Auflockerung 
der Gesteinsmassen stattgefunden haben, während unter den zumeist 
mit Wasser bedeckten Senkungsgebieten eine Massenverdichtung platz- 



- 43 - 



greift, wohl infolge des stärkeren Wärmeabforderungsvermögens des 
tropfbarflüssigen Elementes. 

Daß auch gegenwärtig die angedeuteten Vorgänge unter dem 
heimatlichen Boden noch nicht zum Stillstand gekommen sind, beweisen 
die tektonischen Beben, welche von Zeit zu Zeit denselben erzittern 
lassen. Es scheint, daß das Kohlenbecken Nordböhmens fortschreitend 
sich vertieft, was endlich dahin führen müßte, daß das Gefälle der Elbe 
sich mindert, was eine Bedeckung des Beckens mit dem Stauwasser der 
Elbe und ihrer Zuflüsse zur notwendigen Folge hätte, ja endlich müßte 
sogar die Nordsee mit ihren Salzfluten dieses Gebiet erobern. 

Der Nachweis, daß eine Senkung wirklich stattfindet, könnte am 
leichtesten mit Hilfe genauer barometrischer Messungen erbracht werden. 
In Aussig entspricht einem Unterschied von 1 Millimeter Barometerstand 
ein absoluter Höhenunterschied von 10—11 Metern. Wenn also die 
Senkung des Bodens den Betrag von 10 Metern erreicht haben würde, 
dann müßte der mittlere Barometerstand um 1 Milimeter zunehmen. 

Die Schwankungen des Luftdruckes sind jedoch so bedeutend, 
daß eine so geringe Änderung des mittleren Barometerstandes leicht 
unbemerkt bleibt. Nach zwölfjährigen Beobachtungen der hiesigen 
meteorologischen Station ergeben sich folgende Werte für die Luft- 
druckverhältnisse in Aussig (147*5 rn über der Adria). 



Beobachti 
Jahreszeit 


mgszeiten 
Monat 


Barometerstände in Millimetern 

Monats- mittleres mittleres absolute Maxima 
Mittel Maximuni Minimum und Minima 




Dezember 


749-7 


763-2 


733 


4 


769-1 


Winter 


Jänner 


750-6 


762-5 


732 


7 


am 29. 1.1896 




Februar 


749-4 


761-5 


735 


5 


(ab. Max.) 




März 


747-2 


758-1 


731 


5 




Frühling 


April 


747-3 


755-4 


736 


3 






Mai 


747-6 


754-3 


735 


6 






Juni 


748-4 


754-6 


739 


0 




S o in in e r 


Juli 


748-5 


752-9 


737 


4 






August 


748-5 


754-4 


738 


7 






September 


749-8 


757-6 


738 


0 


719-5 


Herbst 


Oktober 


749-2 


758-9 


732 


6 


24. IX. 1890 




November 


748-4 


762-4 


733 


5 


(Abs. Min.) 


Jahres 


-Mittel 


748-7 


755-9 


735 


8 





Es läßt sich leicht nachweisen, daß Teile des heimatlichen Bodens 
sich gehoben und andere sich gesenkt haben. Das Plateau des hohen 
Schneeberges bei Tetschen, welches in seinen Sandsteinfelsen Reste 



- 44 - 



von Meerestieren umschließt, erhebt sich heute 723 m über dem Spie- 
gel der Nordsee, die ebenfalls aus Quadersandstein bestehenden Tyssaer 
Wände haben eine Seehöhe von 575 m, die Plänerkalke liegen bei 
Lichtowitz 100 m über dem Elbespiegel. Plänermergel, sogenannte 
Bakkulitentone, findet man unter dem Workotsch, fast im Niveau des 
Elbespiegels, ja unterhalb der Elbestraße und der Talbucht von Schön- 
priesen bilden dieselben sogar die wasserstauende Unterlage der Elbe- 
alluvionen. Da diese Gebilde als Glieder der Kreideformation in so 
verschiedenen Horizonten auftreten, so geht daraus hervor, daß die 
hebende Kraft ungleich gewirkt hat, der ehemalige Meeresboden wurde 
gesprengt und Stück für Stück zu sehr verschiedener Höhe empor- 
getragen. Die Braunkohlenflöze, sowie ihre Liegend- und Hangend- 
Schichten sind überzeugende Belege dafür, daß große Partien des 
nordwestlichen Böhmens in bedeutende Tiefen versunken sind. Die 
Braunkohlen sind, wie gezeigt wurde, die höchst wertvollen Uber- 
reste einst bestandener grünender Sumpfwälder und ausgedehnter Moore; 
heute liegen dieselben begraben unter Letten oder Schwemmsand in 
einer durchschnittlichen Tiefe von 50 — 100 m, die sich bei Oberleutens- 
dorf bis zu 400 m steigert (Abbild. 6, Seite 19), während sie doch nur 
an der Oberfläche entstanden sein können. 

Das Versinken der Wälder und Moore erfolgte im allgemeinen 
sehr langsam und allmählig, denn nur an verhältnismäßig wenigen 
Stellen sind die Flöze gebrochen und geknickt, zumeist schmiegen 
sich dieselben mehr oder weniger ohne nennenswerte Unterbrechung 
der Unterlage an. 

In der Umgebung von Großpriesen müssen sogar mehrfache 
schwankende, d. h. aufsteigende und absteigende Bewegungen des 
Erdbodens stattgefunden haben. Hier hatte zur Tertiärzeit ein fast 
tropischer Urwald bestanden, doch nur kurze Dauer dürfte demselben 
beschieden gewesen sein, wiederholt wurde er von Asche und Schlamm 
verschüttet, um mehrere male sich wieder zu erheben. Im Franziska- 
stollen bei Salesel wurden wechsellagernd mit Tuffen 13 schwache 
Flöze einer vorzüglichen Pech-Glanz-Kohle abgebaut; 13 mal 
muß also hier eine Niveauveränderung des Waldbodens stattgefunden 
haben. 

Die Bewegungen der Erdkruste im Gebiete der näheren und 
weiteren Umgebung, welche bisher geschildert wurden, lassen sich 
auf zweierlei Arten von Kräften zurückführen: 1. auf solche, welche 
vertikal nach unten oder oben, 2. solche, welche horizontal wirken. 
So großartig dieselben sich dem Maßstabe der menschlichen Sinne 
darstellen, so äußerst geringfügig sind sie im Vergleiche zur Masse 
der Erde. Wenn die Sprunghöhe der Verwerfung am Südabhange 



- 45 - 



des Erzgebirges mit 1000 m angenommen würde, so macht dies nur 
den 12.734. Teil des Erddurchmessers aus. 

Daß das Einsinken an Spalten von Senkungsfeldern — wie wir 
ein solches im Kohlenbecken zwischen dem Erzgebirge und dem Mittel- 
gebirge kennen gelernt haben — lediglich unter dem Einflüsse der 
Schwere vor sich geht, kann mit Bestimmtheit angenommen werden; 
damit jedoch eine Senkung stattfinden kann, muß die sinkende Scholle 
entweder eine ausweichende Basis haben oder überhaupt einer Unter- 
lage entbehren. Es muß eine Kontraktion im Innern der Erde stattfinden. 

Die Falte nbi 1 du ng stellt ein Zusammenschrumpfen der Ober- 
fläche auf kleineren Raum dar, eine Zusammenschiebung, welche 
eine Verminderung des Volumens des Erdkernes voraussetzt, während 
die äußeren Partien annähernd ihre alte Ausdehnung beibehalten 
und sich nun falten müssen, damit sie sich dem kleiner gewordenen 
Erdkern anschmiegen können. Da die verschiedenen sich senkenden 
Schollen der Erdkruste Teile einer Kugelschale vorstellen, also mit 
riesigen Gewölben verglichen werden können, so ist einleuchtend, daß 
sich der nach unten gerichtete Druck in den Rändern auf die Wieder- 
lager als ein horizontaler Schub (Seitendruck) umsetzt. 

Es muß demnach sowohl für Faltung als auch für die Senkung 
eine einheitliche Ursache, das ist die Wirkung der Schwere angenommen 
werden, die je nach den örtlichen Verhältnissen in der einen oder an- 
deren Form zur Geltung kommt. Eine selbständige, von unten nach 
oben, also hebend wirkende Kraft, gibt es dagegen kaum; wohl findet 
zuweilen eine Aufwärtsbewegung von Gesteinsschollen und Gesteins- 
massen bei der Gebirgsbildung als Begleiterscheinung statt. Wenn 
z. B. die ursprünglich horizontal gelagerten Schiefergesteine zum Erz- 
gebirge aufgefaltet wurden, so wird natürlich der Scheitel der Falte 
höher liegen als ursprünglich die ungestörte Fläche. Es fand demnach 
tatsächlich eine Emportreibung von Gesteinsmaterial statt, wenn auch 
der Schwerpunkt des bewegten Systems tiefer rückte. Dieser Empor- 
treibung verdankt das Erzgebirge der Hauptsache nach seine relative 
Höhe. Nur bei Lakkolith en und einzelnen vulkanischen Gebilden des 
Gebietes kann man in gewissem Sinne von einer durch die empor- 
quellenden Eruptivgesteine bewirkten Hebung der Kreideschichten 
und Braunkohlengebilde sprechen, obwohl auch hier die Schwere auf- 
lastender Massen, der Druck, den die sinkenden Schollen auf die in 
der Tiefe befindlichen geschmolzenen Gesteinsmassen ausübten, als 
Hauptfaktor der Aufwärtsbewegung betrachtet werden muß. 

Sobald an einer Stelle der Oberfläche keine weitere Auffaltung 
mehr stattfindet, sind die abtragenden Kräfte allein tätig, und im Laufe 
langer Zeiträume wird dieselbe, so gewaltig sie auch ursprünglich 



- 46 - 



emporgeragt haben mag, zu einem welligen Hügellande abgetragen 
und endlich ganz eingeebnet. — So erkennen wir unschwer an den 
krystallinischen Schiefergesteinen der Porta-Bohemica, zwischen 
Tschernosek und Lichtowitz, bei sehr starken Störungen der Schichten, 
ganz geringfügige Erhebungen im Relief des Bodens, ein Zeichen, daß 
dieser Gebirgsteil als erloschen oder abgetragen zu betrachten ist 
(Tafel XVI). 



III. Schlußfolgerungen aus dem Gebirgsbau. 

Das scheint ein weitläufiges Alphabet, 
Aber die Natur hat nur eine Schrift, 
Wenn auch verschiedene Lesarten. 

Goethe. 

Liegen irgendwo verschiedenartige Schichten, wie z. B. die ceno- 
manen Sandsteine und die turonen Plänerkalke von Rosental bei Graupen 
(Tafel VI und VII) mit gleichem Streichen und Fallen aufeinander, 
so spricht man von einer gleichförmigen oder konkordanten 
Lagerung; dieselbe läßt stets auf eine in ununterbrochener Zeitfolge 
stattgefundene Bildung schließen. Stoßen jedoch zwei solche Schichten- 
systeme unter einem Winkel zusammen, wie dies zwischen den ceno- 
manen Sandsteinen und den unter ihnen liegenden Gneisen beobachtet 
werden kann (Tafel VII und VIII), so bezeichnet man dieses Verhältnis 
als ungleichförmige oder diskordante Lagerung. Hiebei findet 
entweder eine bloße Anlagerung der jüngeren Gebilde an die älteren 
statt, wie bei Rosental, oder eine vollständige Oberlagerung, soge- 
nannte Transgression, wie am Michelsberg bei Groß-Tschernosek, auf 
dem Hradek und bei Lichtowitz, wo die fast horizontal liegenden Kreide- 
sedimente sich über den steil aufgerichteten krystallinischen Schiefer- 
gesteinen ausbreiten. 

Die Diskordanz ist stets ein Zeichen, daß in der Ablagerung der 
Sedimente eine längere Unterbrechung stattgefunden hat, während wel- 
cher das bereits gebildete Schichtensystem in seiner Lagerung eine 
Veränderung erlitten hat und häufig auch von der Erosion bereits 
angegriffen worden war. — 

Die primären Gesteine zeigen eine durchgreifende Lagerung; 
dies beobachtet man am besten bei den Gesteinsgängen. Immer ist 
das Gestein, welches durchsetzt wurde, das ältere, jenes, welches durch- 
setzt, das jüngere. 

Ls ist somit der Porphyr, der zwischen Nikiasberg und Graupen 
einen 8 km mächtigen Gang bildet, der in der Richtung von N. nach 
S. die krystallinischen Schiefergesteine des Erzgebirges durchsetzt, das 



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jüngere Gestein. Der Umstand, daß bei Nikiasberg zwischen dem 
Porphyr und dem Gneis eine Scholle mit einem anthrazitischen Sigilla- 
rienflöz eingeklemmt wurde, beweist, daß der Durchbruch desselben 
keinesfalls vor der Karbonzeit erfolgt sein kann, da ja die paläozoische 
Kohle bereits fertig gebildet war, als sie durch den Porphyr disloziert 
wurde. Anderseits muß derselbe schon vordem Einbrüche des Kreide- 
Ozeans ins nördliche Böhmen erstarrt und sogar stark verwittert ge- 
wesen sein, denn die ältesten Schichten der Kreideformation, die ceno- 
manen Konglomerate von Settenz bei Teplitz, erscheinen in den Spalten 
und Klüften des in Auflösung begriffenen Porphyrs eingelagert, sowie 
sich auch Gerölle von Porphyr in denselben eingeschlossen vorfinden. 

Da die Basalte, Tephrite und Phonolithe des Mittelgebirges die 
turonen Mergel und die oligocaenen Sandsteine teils aufgerichtet, teils 
durchbrochen und sich auf ihnen ausgebreitet haben, wie am Workotsch, 
am Marienberg, an der Krebshöhe, am Schreckenstein, bei Kojeditz 
und vielen anderen Orten beobachtet werden kann, so muß die Eruption 
dieser Gesteine vorwiegend in der Mitte der Tertiärzeit stattgefunden 
haben, also gleichzeitig mit der Bildung der Braunkohlenflöze, von 
welchen auch einzelne (wie z. B. die ausgezeichneten Pechkohlen von 
Salesel bei Großpriesen) zwischen vulkanischen Gesteinen eingelagert 
erscheinen. 

Wenn mehrere Gänge von primären Gesteinen einander durch- 
setzen, so gilt das gleiche Gesetz für die Beurteilung ihres relativen 
Alters. So sieht man, daß der mächtige Mondhaldeit-Gang bei Pömmerle 
(Kilometer 527T80 bis 527'9 an der Strecke der österr.-ung. Staats- 
Eisenbahngesellschaft) von vielen jüngeren Sodalith-Bostonit-, Nephelin- 
Tephrit- und Trachyt-Gängen durchzogen wird, während er selbst eine 
Spalte erfüllt, welche im turonen Plänermergel und im oligocaenen 
Sandstein entstanden war. 

Die Aufrichtung der Kreidesedimente und teilweise auch der 
Braunkohlengebilde am Fuße des Erzgebirges einerseits, wie die Stö- 
rungen, welche die gleichalterigen Schichten im Gebiete des Mittel- 
gebirges durch den Ausbruch der vulkanischen Gesteine erfahren haben, 
anderseits, führen zu dem Schlüsse, daß die Erhebung des Erzgebirges, 
der Einbruch seines südlichen Flügels und die vulkanischen Ergüsse 
im Gebiete des Mittelgebirges in derselben geologischen Epoche, näm- 
lich in der Tertiärzeit stattgefunden haben müssen. Es ist ferner 
wahrscheinlich, daß der Druck, den der versinkende Teil des Erzgebirges 
auf seine Unterlage, das basaltische und phonolithische Magma, ausübte, 
dieses zum Ausweichen zwang, und so dessen Eruptionen veranlaßte. 
— Jedenfalls hat eine Wechselwirkung zwischen den genannten geo- 
logischen Vorgängen stattgefunden. Am Fuße der Vulkanberge, die 



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damals dem Schöße der Erde entstiegen, sprudeln heute, ein Denkmal 
jener Zeit, heiße Quellen und kräftige Säuerlinge auf, und in den 
Spalten, die der Basalt in die Feste des Erzgebirges gerissen hat, wurden 
durch die nachfolgende Fumarolen- und Solfataren-Tätigkeit reiche 
Schätze von Erzen zusammengetragen. Unter den benachbarten Thermen 
und Säuerlingen sind die bedeutendsten die Teplitzer Quellen und der 
Biliner Sauerbrunnen. — 

Die Teplitzer Quellen sind ebenfalls erst in der Tertiärzeit 
entstanden, denn die um den Teplitzer Porphyr gelagerten Kreidesedi- 
mente ragen an keiner Stelle in die Thermalspalte hinein, das Aufreißen 
dieser Thermalspalte war gewiß seiner Zeit mit bedeutenden Erd- 
erschütterungen verbunden, durch welche der Porphyr bei Teplitz im 
Triangel zerriß. 

Das Wasser, welches die Thermen speist, dürfte teilweise von 
dem Gesteinsmagma, das in der Tiefe mit überhitzten Wasserdämpfen 
gesättigt ist, abgegeben werden; es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß 
auch Niederschlagswasser hiezu wesentlich beiträgt. Darauf läßt z. B. 
einerseits der Lithiongehalt schließen, welcher wohl durch die Sicker- 
wässer herbeigeschafft wird, die den Zinnwaldit führenden Gneis des 
Erzgebirges auslaugten, während anderseits der Gehalt an freier Kohlen- 
säure und Strontium auf einen Einfluß des Mittelgebirges hinweisen*) 
Dort, wo die parallel zum Erzgebirge streichende Bruchspalte von der 
senkrecht dieselbe durchkreuzenden Thermalspalte getroffen wird, kann 
wohl Niederschlagswasser aus beiden Gebieten bis in eine Zone vor- 
dringen, in welcher die Abkühlung des vulkanischen Herdes sich noch 
nicht vollständig vollzogen hat. Hier wird es von freier Kohlensäure 
durchdrungen und stark erwärmt. Durch die Erwärmung bekommt es 
einen mächtigen Auftrieb. Da in den höheren Regionen kaltes Kluft- 
wasser (vergl. Seite 11) mit dem Thermalwasser sich mischen kann, so 
wird dadurch die Temperatur und nicht minder die chemische Zu- 
sammensetzung des Wassers stark beeinflußt, worauf die Verschieden- 
artigkeit der Schönauer Neubadquelle, der Teplitzer Urquelle und der 
Augenquelle beruht. So hat erstere eine Temperatur von 447° C., die 
zweite von 48° C. und die dritte von nur 28'5° C. 

Erstcrc ist reich an kohlensaurem Lithion (0-0406), die Urquelle 
besonders reich an Strontium (0T146). An halbgebundener Kohlen- 
säure enthält in 10000 Volumsteilen die Neubadquelle 809, die Ur- 
quelle 1110 und die Augenquelle 1075; an freier Kohlensäure die 
Neubadquelle 753, die Urquelle 509 und die Augenquelle 54'3. 

*) Die sl.routiumhaltigeu Aragon ite des Mittelgebirges, wclehe bei Aussig, Mora- 
wnn, Kulm, Tschoehan, Schima n. a. a. O. in den Spalten der Basalte auftreten, ver- 
danken ihre Bildung der Tätigkeit längst versiegter Thermen. 



- 49 - 



In manchen Spalten, besonders in solchen, welche das poröse 
Porphyr-Konglomerat durchsetzen, staut sich das von den Thermen 
beeinflußte Kluftwasser wie in einem riesigen Reservoir an. Wird nun 
an irgend einer Stelle, z. B. durch Bergbau, eine solche wasserreiche 
Spalte angeschlagen, dann brechen in die Grube Wasser ein, welche 
eine bedeutend höhere Temperatur besitzen als gewöhnliche Gruben- 
wässer, und als Wechselwirkung ergibt sich infolge des unterirdischen 
Abströmens von Thermalwasser ein Sinken des Quellspiegels der 
Teplitzer Thermen *) 

Während die heißen Quellen und Säuerlinge als letzte Äußerung 
der vulkanischen Kräfte im Gebiete des Mittelgebirges noch gegen- 
wärtig segenspendend wirken, ist jene Tätigkeit, welche den Erzreichtum 
des Erzgebirges schuf, wohl schon lange zum Stillstand gekommen. 
Das häufige Auftreten von fluorhaltigen Mineralien in Begleitung der 
Zinnerze, als da sind: Fluorit, Topas, Turmalin, Apatit und Zinnwaldit 
deutet darauf hin, daß besonders fluorhaltige Dämpfe die Ausscheidung 
des Zinnsteines bewirkten, sei es, daß sie mit dem aufquellenden Magma 
zugleich emporstiegen, sei es, daß sie erst nach der Verfestigung des 
Gesteines auf den Spalten des Gebirges emporkamen. Im benachbarten 
Teile des Erzgebirges sind die Zinnerze hauptsächlich an den mehr- 
fach erwähnten mächtigen Porphyr-Gang gebunden, insbesondere an 
eigentümliche granitähnliche Durchragungen desselben. 

Granite und Porphyre gehen anscheinend ineinander über, die er- 
steren scheinen nur die Tiefenfacies, die letzteren die Randfacies desselben 
Magmas darzustellen. Die granitischen Massen bestehen hier zum Teil 
aus feldspatarmen Greisen-Gesteinen, die hauptsächlich aus Quarz und 
Glimmer zusammengesetzt sind und statt des Orthoklas Zinnstein führen. 

Bei Zinnwald taucht innerhalb des Porphyrs eine elliptische 
Granitkuppe von etwa 1360 m Länge und 480 m Breite auf, welche 
aus einem System übereinander lagernder Kappen besteht; ganz ähnlich 
sind die Verhältnisse in Altenberg im sächsischen Erzgebirge. - Dage- 
gen findet sich bei Graupen und Mückenberg das Zinnerz in Gängen, 
welche im Gneis aufsetzen und meist NS. und OW. streichen. Die- 
selben werden hier aus einem talkähnlichen Minerale, dem Steinmark, 
gebildet, und umschließen oft jene charakteristischen Zwillingskrystalle 
von Kassiterit, welche von den Bergleuten als „Zinngraupen" be- 
zeichnet werden. Ihnen hat wohl auch die alte Bergstadt Graupen 
ihren Namen zu danken. 

*) Die Verhältnisse der Teplitz-Schönauer Thermen haben durch den im Jahre 
1879 im Döllinger Schacht bei Dnx erfolgten und 1887 in der Viktoriazeche wieder- 
holten Wassereinbruch wesentliche Veränderung erfahren, welche die oben angedeu- 
teten Beziehungen feststellen ließen. 



- 50 - 



Aus diesen Betrachtungen geht hervor, daß alle die Felsen mit 
ihren mineralischen oder organischen Einschlüssen, alle die Berge und 
Täler der Heimat, ja selbst die Spalten und Risse, welche die Gesteine 
durchziehen, mit Schriftzeichen verglichen werden können, welche, 
wenn wir sie zu lesen verstehen, sich zu Worten bilden und zu Sätzen 
reihen lassen. — Im Nachstehenden soll nun der Versuch gemacht 
werden, alle diese Sätze zu einem Bilde zu verweben, welches den 
Leser einzuführen vermag in das geheimnisvolle Werden vergangener 
Zeiten. 

-Nr 

Die Geschichte der Urzeit der Umgebung Aussigs. 

Und in die graue Zeit sah ich zurück, 
Und das Bekannte meinem Blick verging, 
Verändert alles, fremd und wunderbar. 

v. Kobell. 

In den vorhergehenden Abschnitten wurde gezeigt, wie jedes 
Gestein, jeder Steinbruch, jedes Gebirge ein Stückchen der Millionen 
und wieder Millionen Jahre zurückreichenden Erdgeschichte zu verkünden 
vermag. Insbesondere liefern uns die Sediment-Gesteine die wichtigsten 
Beweisquellen für die Urgeschichte der Heimat. Infolge der Umwäl- 
zungen, die in der Erdkruste stattgefunden haben und durch welche 
diese Gesteine gefaltet und gebrochen wurden, sehen wir nicht nur 
die obersten Lagen, sondern auch einige der älteren und selbst der 
ältesten Massen. Außer der Schichtenfolge hat der Geologe noch 
einen Schlüssel zur Beurteilung des Alters eines Sedimentes, es sind 
dies die Versteinerungen oder Fossilien. 

Es hat sich nämlich das Gesetz ergeben, daß Ablagerungen, 
welche dieselbe Flora oder Fauna umschließen, gleichzeitig entstanden 
sein müssen. 

Jede große Abteilung oder Formation des gesamten Schichten- 
systems der Erde hat ihre eigentümlichen Versteinerungen, die soge- 
nannten Leitfossilien. Es können demnach diese Abteilungen, ab- 
gesehen von den aus der Reihenfolge der Übereinanderlagerung sich 
ergebenden Beweisen, auch mit Hilfe der Fossilien unterschieden werden. 
Zugleich geben diese Reste von Pflanzen und Tieren unzweideutigen 
Aufschluß über die Beschaffenheit des Landes oder Meeresteiles und 
die Natur des Klimas zu jener Zeit, da sie lebten. 

Für die Entwicklungsgeschichte der Erde seit dem Entstehen der 
ersten festen Kruste ist die nachfolgende Einteilung im Gebrauch, 
welche der Einteilung der Geschichte des Menschengeschlechtes nach- 
gebildet ist. 



- 51 - 



I. Die Urzeit der Erde 
(Azoisches* 1 ) Zeitalter) 



1. Die archaische* 2 ) Formation. 



II. Das Altertum der Erde 



2. Die Cambrische Formation (Wales-Cambria) 

3. » Silur-Formation (Silurien in England) 
v 4. Devon-Formation (Devonshire, England) 

(Paläozoisches* 3 ) Zeitalter) 5 ;> Karbon-Formation (Carbo, die Kohle) 

' 6. Perm-Formation (Guv. Perm, Rußland) 

[ 7. Die Trias-Formation (dreigeteilt) 

III. Das Mittelalter der Ede 8 . „ Jura . Formation Äj»* 

(Mesozoisches-) Zeitalter) | g Kreide . Formation (nach^ Vorder 

IV. Die Neuzeit der Erde f 10. Die Tertiär-Formation (dritte) 
(Känozoisches* 5 ) Zeitalter) 1 11. „ Quartär-Formation (vierte). 

Es läßt sich leicht verfolgen, wie das Leben in der fernsten Ver- 
gangenheit mit niedrigen, daher einfacheren Formen einsetzte und sich 
durch Jahrtausende hindurch zu höher und höher organisierten Wesen 
weiter entwickelt hat. — Gruppe auf Gruppe von Muscheln, Glieder- 
tieren, Fischen, Reptilien, Säugetieren und Vögeln erschien auf dem 
Schauplatze der Schöpfung; nachdem diese Tiere längere oder kürzere 
Zeiträume hindurch gelebt hatten, starben sie langsam wieder aus, um 
neuen Arten Platz zu machen. Die heute lebenden Organismen sind 
daher als die Nachkommen jener zu betrachten, welche schon in den 
ältesten Zeiten die Erde bevölkerten. Die Entwickelung der Erde und 
ihrer Bewohner vollzog sich stetig, doch es hat ein ununterbrochener 
Zusammenhang alles Lebens stattgefunden. — Je älter eine Ablagerung 
ist, um so verschiedener sind die in ihr enthaltenen Tier- und Pflanzen- 
formen von der jetzigen Lebewelt; je jünger, desto ähnlicher erweist 
sich ihre Fauna und Flora mit der, welche heute die Erde bewohnt. — 

Unter Berücksichtigung der angedeuteten Verhältnisse vermag 
der Geologe die große Masse der Sedimentgesteine zu klassifizieren, 
sodaß jeder irgendwo aufgefundenen Gesteinsschichte ein bestimmter 
Platz in der angeführten Reihe zugewiesen werden kann. Mit bewun- 
derungswürdiger Geduld und Kombinationsgabe haben trefflich bewährte 
Forscher wie Goethe, L. v. Buch, A. E. Reuß, J. Jokely, F. v. 
Hochstetter, H. B. Geinitz, G. C. Laube, A. Fritsch, J. E. 
Hibsch u. v. a. aus dem Trümmerschutt der Erdrevolutionen die 
versteinerten Hieroglyphen herausgesucht und zu dem Alphabet zu- 
sammengesetzt, in welchem die vorsintflutliche Geschichte des pflanz- 
lichen und tierischen Lebens unserer Heimat geschrieben ist. — Ein 
Rückblick in die graue Vorzeit ist uns demzufolge ermöglicht; wir 

* l ) Azoos = kein Leben; * 2 ) archaios = alt; * 3 ) Palaios = alt, Zoon = Tier; 
* 4 ) meson = die Mitte; * 5 ) Kainös = neu. 



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schauen im Geiste den gigantischen Kampf der schaffenden und zerstören- 
den Kräfte, dessen Endergebnis die Bildung jener herrlichen Landschaft 
war, welche wir mit Stolz als das Paradies von Böhmen bezeichnen. 

Diese Landschaft ist aber auch ein wahres Elementarbuch zur 
Ausbildung geologischer Anschauungen für Schüler und Anfänger, wie 
anderseits die Verschiedenheit der Elemente, welche sich am Aufbaue 
ihres Bodens beteiligen und die merkwürdige Art, wie dieselben in- 
einandergreifen, dieses Stück Erde selbst dem Geologen vom Fach als 
eines der interessantesten und lehrreichsten Gebiete erscheinen lassen, 
welches er stets gerne aufsucht. 



Das älteste, im Aussiger Bezirke auftretende Sedimentgestein ist 
der Gneis, seine Bildung reicht zurück bis in die 

I. Urzeit oder das archäische Zeitalter. 

Weder der Gneis, noch die ihn überlagernden, also jüngeren 
Glimmer -Schiefer, Hornblende-Schiefer und Urton -Schiefer enthalten 
erkennbare Reste von Tieren oder Pflanzen. Zur Zeit der Entstehung 
dieser sogenannten krystallinischen Schiefergesteine dürfte 
die Temperatur der Erdkruste und der sie bedeckenden Ur- Meere 
noch so hoch gewesen sein, daß organisches Leben kaum möglich 
war. Diese Gesteine treten im angrenzenden Gebiete des Erzgebirges, 
ferner bei Groß- und Klein -Tschernosek, im Wopparner Tale, am 
Galgenberg bei Milleschau und bei Bilin zu Tage, sie bilden aber 
auch in einer Tiefe von circa 800—1000 Meter allenthalben das Lie- 
gende der übrigen hier auftretenden Sedimente. Ihre bedeutende 
Mächtigkeit spricht für eine sehr lange Zeitdauer der azoischen Ent- 
wicklungsperiode der Erde, und der Umstand, daß diese Gesteine in 
ihrer Ausbildung einander an den verschiedensten Orten der Erde sehr 
ähnlich sind, deutet darauf hin, daß sie unter sehr übereinstimmen- 
den Bildungsbedingungen entstanden sein mögen. In ihrer Gesell- 
schaft findet man die ebenfalls versteinerungsleeren Granite, Granit- 
Porphyre und Quarz-Porphyre. 

II. Das Altertum der Erde oder das paläozoische Zeitalter. 

Die Ablagerungen dieses Zeitalters treten im besprochenen Gebiete 
nur in sehr beschränkter Ausdehnung zu Tage. Es sind dies die 
ca m brise hcn Tonschiefer, welche im Elbetal bei Tetschen an- 
stehen; dieselben erweisen sich als Absätze eines Meeres, welches bereits 
von den liochorgaiiisierten Trilobiten, von Kopffüßlern, Bauchfüßlern, 



- 53 



Muscheltieren, Seelilien und Korallentieren etc. bewohnt war. Diese 
älteste bekannte Fauna darf jedoch mit Rücksicht auf die hohe Orga- 
nisation der Tierformen nicht als die erste und älteste Tiergesellschaft 
der Erde angesehen werden, es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die 
Anfänge des organischen Lebens in eine viel frühere Zeitperiode zu 
verlegen sind; leider sind Reste dieser ältesten und einfachsten Lebe- 
wesen bis heute nicht bekannt geworden. Vielleicht rühren z. B. die 
Urkalk-Einlagerungen im Hornblende-Schiefer von Groß-Tschernosek 
von Meerestieren mit Kalkgehäusen her, doch kann man infolge der 
Metamorphose, welche sie durchgemacht haben, in ihnen keine orga- 
ganische Struktur mehr nachweisen. Die Meeresbedeckung dürfte im 
hiesigen Gebiete auch noch zur Silur- und Devonzeit angedauert haben, 
um später, d. i. zur Karbon- oder Steinkohlenzeit, einer Festlands- 
periode zu weichen. — Aus der zuletzt genannten Periode finden sich 
Gebilde im Erzgebirge, u. zw. die Steinkohlenmulde von Brandau und 
eine Scholle anthrazitischer Kohlen, welche bei Nikiasberg zwischen 
Porphyr und Gneis eingeklemmt erscheint. Diese Kohlen verdanken 
ihre Entstehung den ältesten Urwäldern der Heimat. Auf ihrem 
Boden sproßte damals, begünstigt von der feuchten, warmen, an Kohlen- 
säure sehr reichen Luft, ein undurchdringliches Dickicht empor; dasselbe 
war gebildet von Halmenbäume n* 1 ), welche riesigen Schachtelhalmen 
ähnelten, von Siegel bäumen* 2 ), die auf einem säulenförmigen Schaft 
einen mächtigen Büschel schwertartiger Blätter trugen und von 
Schuppen bäumen* 3 ), deren Äste und Zweige sich wiederholt gabelig 
teilten und ringsum mit schuppenartigen Blättern bedeckt waren, zwi- 
schen diesen Gewächsen, welche die Landschaft beherrschten, siedelten 
sich auch Baumfarne und Farnkräuter an. Diese Wälder waren noch 
nicht dem Wechsel der Jahreszeiten unterworfen, weder Vögel noch 
Schmetterlinge belebten sie, nur freßgierige Termiten, Kakerlaken und 
Heuschrecken tummelten sich hier neben langsam kriechenden Schnecken 
und mühsam sich schlängelnden Würmern. — Die wehrlosen unter 
diesen Geschöpfen fielen mordlustigen Spinnen zum Opfer, allen aber 
strebten zu Lande eidechsenähnliche Lurche, im Wasser schmelzschuppige 
Knorpelfische, stachelige Zwerghaie und doppelatmige Lurchfische nach 
dem Leben. Die üppige Flora jener Periode spricht für ein günstiges, 
feuchtwarmes Klima, denn es sind fast durchwegs rasch wachsende, 
aber auch bald absterbende Gewächse aus der Klasse der Kryptogamen, 
deren Reste vermoorten und das Materiale zu den höchst wertvollen 
Stein- oder Schwarzkohlen geliefert haben. — Nach der Karbonzeit, 
d. i. während der Perm- oder Dyas- Periode* 4 ), war der Charakter 

*') Calamiten (calamus der Halm). * 2 ) Sigillarien. * 3 ) Lepidodendren. * 4 ) dyas = 
zweigeteilt (zwei Abteilungen umfassend). 



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der Flora und Fauna noch ein ähnlicher geblieben, die Nadelhölzer 
breiteten sich mehr und mehr aus, besonders Schuppentannen (Arau- 
karien) dürften sehr häufig gewesen sein; von ihnen findet man ver- 
kieselte Stämme und Zweigstücke nicht allzuselten unter den Ge- 
schieben der Elbe. In diese Zeit fallen auch die Ausbrüche des Quarz- 
Porphyres im Erzgebirge und in der Umgebung von Teplitz, sowie bei 
Wopparn und Tschernosek. 



III. Das Mittelalter der Erde oder das mesozoische Zeitalter. 

Zwei petrographische Merkmale sind für die Gebilde dieses Zeit- 
alters im heimischen Bezirke besonders charakteristisch, nämlich einer- 
seits das Vorherrschen von Kalksteinen und Sandsteinen, anderseits 
das Zurücktreten der Eruptivgesteine. 

Die Entwickelung des organischen Lebens hat in dieser Zeitepoche 
bedeutende Fortschritte gemacht. Die blütenlosen Pflanzen treten mehr 
und mehr zurück und machen Nadelhölzern und Zapfenpalmen platz, 
um noch etwas später durch echte Laubbäume aus der Klasse der 
Zweisam enlappigen ersetzt zu werden. 

Das Meer beherbergte zahllose Weichtiere, unter denen die Am- 
moniten und Belemniten die auffallendsten waren, welche überdies 
am Ende dieses Zeitalters ausstarben. Während der Trias- und Jura- 
Periode dürfte der heimatliche Boden Festland gewesen sein, mög- 
licher Weise wurde er zur Jurazeit vorübergehend von einem Meeres- 
arme bedeckt.*) Solange derselbe Festland war, konnten sich auf 
demselben keine bedeutenderen Ablagerungen bilden, ja es ist sogar 
höchst wahrscheinlich, daß ein großer Teil der hier bereits abgelagerten 
paläozoischen Sedimente durch Verwitterung und Abspülung wieder 
zerstört und entfernt wurde. Erst zur Kreidezeit fand infolge einer 
mächtigen Ausbreitung des Meeres auf der nördlichen Halbkugel die 
Überflutung dieses Bodens statt, so daß es zur Bildung der Pläner- 
kalke, der Tonmergel und Quader-Sandsteine kam. Im Westen und 
Süden von Aussig mußte das Kreidemeer seine bedeutendste Tiefe 
erreicht haben, wie die hier vorherrschenden kalkigen und mergeligen 
Absätze mit ihren Fossilien vermuten lassen; im Norden und Osten 
dagegen bildeten sich ausgedehnte Dünen auf seichterem Strande, welche 
das Material zu den bizarren Felsen des Tyssaer Labyrinthes und den 

*) Gegen das Ende der Jurazeit drängte sich ein schmaler Meeresarm südlich 
vom nordöstlichen Urgebirgsrande nach Böhmen herein und teilte es in zwei Eilande, 
ein größeres, westliches und ein kleineres, östliches. (Vergl. Bruder „Neue Beiträge 
zur Kenntnis der Jura-Ablagerungen im nördl. Böhmen." Sitzungsberichte der kais. 
Akad. d. Wissensch. Bd. XCI1I. 1880.) 



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herrlichen Bildungen des Elbetalgebirges lieferten. Das Überwiegen 
immergrüner Laubbäume in der Landflora und das Auftreten von Stein- 
korallen in den marinen Ablagerungen der Kreideformation des nörd- 
lichen Böhmens beweist, daß zu jener Zeit hier ein sehr warmes, fast 
tropisches Klima geherrscht haben müsse. 



IV. Die Neuzeit oder das känezoische Zeitalter. 

Mit dem Schlüsse der mesozoischen Zeit hob sich der Boden 
unserer engeren Heimat wieder und die salzigen Fluten des Kreide- 
meeres verließen nun dieses Gebiet für immer. In diese Epoche fällt 
die Erhebung des Erzgebirges und der Ausbruch der vulkanischen 
Tätigkeit im Mittelgebirge. Die Gewässer, welche sich von allen Teilen 
des Landes sammelten, stauten sich an dem geschlossenen Wall der 
nördlichen Randgebirge und bildeten ein ausgedehntes Sumpfgebiet, 
das von Steinschönau bis ins Egerland reichte. — Hier kam es zur 
Ablagerung der tertiären Sandsteine, Süßwasserkalke, Tone und Letten, 
die in ihrer Gesamtheit eine Mächtigkeit von 100 — 200 Metern erreichen 
können. Im Osten, Süden und Westen erhob sich ein Kranz von 
Vulkanbergen mit ihren gefahrdrohenden Schlünden, die bald da, bald 
dort sich öffneten und ihre zerstörende Tätigkeit aufnahmen. 

Zwischen dem Erzgebirge und dem Mittelgebirge lag ein mäch- 
tiges Moor mit einigen größeren oder kleineren Seen und Tümpeln, 
eingehüllt in einen fast undurchdringlichen Nebelschleier. Der Fuß 
der Gebirge war bedeckt mit üppigem Wald, ein bunter Wechsel von 
Holzpflanzen zeichnete denselben aus. Gewürzblättrige Zimmtbäume, 
schnellwüchsige Fieberbäume, Ahorne, Ulmen, Eichen, Linden, Erlen, 
Pappeln und Weiden mischten sich mit großzapfigen Pinien und eiben- 
artigen Taxodien. In Lichtungen gediehen Weinstock, Pflaumen und 
Birnen nebst Mimosen, Akazien und herrlich blühendem Goldregen; 
endlich fehlte in dieser auserlesenen Pflanzengesellschaft auch die 
königliche Palme nicht, welche, ein Wald über dem Walde, auf ihrem 
schlanken Stamme die übrigen Gewächse überragend, ihre majestätische 
Blätterkrone im Winde schaukelte. 

In den Gewässern tummelten sich Weißfische und Barsche in 
großer Zahl, welche hier reichlich Nahrung fanden, denn Frosch- und 
Insekten-Larven, Schnecken und Würmer, Flohkrebse und Milliarden 
winziger Spaltalgen erfüllten dieselben. Im Schilfe der Ufer verborgen 
lauerten Krokodile und Schildkröten, auf den ausgebreiteten Blättern 
der Teichrose sonnten sich Frösche und Salamander, bis sie, von 
einem Wasservogel aufgeschreckt, in eiliger Flucht ihr Heil suchten. 



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In den erfrischenden Fluten badeten sich große, elephantenähnliche 
Mastodonten und kleine schweinähnliche Dickhäuter. — Aus den 
Wäldern kamen Hirsche zur Tränke, scheu und vorsichtig, denn auf 
sie lauerten wolfartige Raubtiere, welche in Rudeln die Wälder durch- 
streiften. — 

Auffallend ist die Zusammensetzung der Flora des Tertiärwaldes 
in Böhmen, welche lebhaft an das Pflanzenkleid Japans erinnert. Auch 
dort herrscht eine seltsame Mischung von Pflanzenformen des gemäßigten 
und des heißen Klimas. In Japan wechselt oft eine unerträgliche 
Sommerhitze von 35° — 37° C. mit einer mehrere Grad unter Null sinken- 
den Wintertemperatur; und doch gedeihen dort Palmen, Ginkobäume, 
Bananen, Maulbeerbäume und Theestauden. 

Vielleicht waren analoge klimatische Verhältnisse die Ursache, 
welche eine ähnliche Zusammensetzung der Flora Böhmens zur Tertiär- 
zeit bedingten. Der üppige Pflanzenwuchs der Moore führte zur 
Bildung von Torf, welches später unter der Last der aufgelagerten 
Letten und Schotter in Braunkohle umgewandelt wurde. — 

Gegen das Ende der Tertiärzeit hatte sich der Hauptstrom des 
Landes, die Elbe, immer tiefer und tiefer eingenagt in die jüngst ge- 
bildeten Lavaströme und Basaltdecken und gleichzeitig sich durch den 
Wall des Quadersandsteingebirges hindurchgesägt, so daß die lange 
gestauten Gewässer nach der Nordsee abfließen konnten. Es blieb 
jedoch das Land noch lange Zeit nachher naß und sumpfig. — 

Mächtig ist die Arbeit des fließenden Wassers in diesem Ab- 
schnitte der kanozoischen Zeit, den man oft als die Quartär zeit 
bezeichnet. — Die Ablagerungen von Flußschotter in einer Höhe von 
300 Metern beweisen, daß damals ein mächtiger Strom, wahrscheinlich 
aus der vereinigten Biela und Elbe bestehend, über das Gebirge hin- 
wegfloß und zwar 200 Meter höher als der heutige Elbespiegel. — 
Die Seitentäler sind erst etwas später entstanden, und da die gewaltigen 
Wassermassen des Hauptstromes rascher und kräftiger arbeiteten als 
die wasserärmeren Neben- und Zuflüsse, so konnten die letzteren nicht 
gleichen Schritt halten, sie vermochten sich bis zur Gegenwart noch 
keine stetige Gefällskurve zu schaffen, sondern stürzen über 10 — 20 Meter 
hohe Felsstufen herab, ansehnliche Wasserfälle bildend. 

Während dieser Vorgänge veränderten sich die Bedingungen, die 
zur Tertiärperiode geherrscht hatten. Andere Verhältnisse kamen zur 
Geltung, wohl einer neuen Schöpfung, aber nicht mehr der alten günstig. 
Nicht nur in Böhmen, sondern auf der ganzen Erde hatten während 
der letztgenannten Epoche gewaltige Bewegungen in der Erdkruste 
stattgefunden, die höchsten Gebirge der Welt wurden in derselben 
aufgefaltet und ragten nun mit ihren Gipfeln und Kämmen in die 



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Region des ewigen Schnees und Eises. Sie wirkten als riesige Kon- 
densatoren, verdichteten die Feuchtigkeit der Luft und vermehrten die 
Niederschläge. Schneemassen sammelten sich auf den Höhen zu weit 
ausgedehnten Firnfeldern und bewegten sich endlich als riesige Gletscher- 
ströme talwärts, wo sie sich ausbreiteten und eine Quelle stetiger Ab- 
kühlung bildeten. — Vermehrung der Niederschläge und Abkühlung 
aber sind die Faktoren des Gletscherphänomens; unter ihrem Zusammen- 
wirken fand zur Quartärzeit in Europa eine enorme Entfaltung des- 
selben statt, weshalb man jene Periode der Quartärzeit auch die Eis- 
zeit nennt. 

Unter den obwaltenden Umständen hatte auch die Umgebung 
unseres Schulortes gewiß ein sehr rauhes Klima; lange, schneereiche 
Winter wechselten mit heißen Sommern und nassem Frühling und 
Herbst. Die weite Hochfläche der Bihana war solange mit Gras und 
Staudenwerk bedeckt, als genügend Feuchtigkeit vorhanden war. Unter 
den versengenden Sonnenstrahlen des Sommers verdorrte diese Pflanzen- 
decke und orkanartige Stürme wirbelten ungeheuere Staubmassen empor, 
um dieselben an den Gehängen der Täler als FTankenlöß wieder 
abzulagern. 

Zahlreiche Wasserläufe, die aus dem mit Schnee reich gesegneten 
Erzgebirge im Frühlinge herabstürzten, überschütteten das Vorland mit 
weit ausgedehnten Schottermassen. — 

Unter den quartären Ablagerungen sind von ganz besonderem 
Interesse die Pyropen führenden Schichten, welche am Südabhange 
des Mittelgebirges bei Tfiblitz, westlich von Trebnitz, auf böhmische 
Granaten ausgebeutet werden. Dieselben bestehen aus einem Konglo- 
merat*) von Mergel, Serpentin und Opal nebst Bruchstücken von Gips, 
Baryt und anderen Mineralien, sowie vielen Pyrit -Knollen, Verstei- 
nerungen aus den Bakkulitentonen , und Geschieben von Urgebirgs- 
gesteinen. 

Das ursprüngliche Muttergestein, welches bisweilen noch einzelne 
Pyropen umschließt, ist ein von Opal durchsetzter, zu Serpentin um- 
gewandelter Olivinfels. Dieses oberflächlich seltene primäre Gestein 
dürfte am Aufbau der tieferen Partien der Erdkruste einen hervorra- 

*) Außer den Pyropen führen diese Konglomerate und Sande auch Korund, 
Zirkon, Chrisolith, Melanit und Titanit etc. Im Jahre 1869 soll hier sogar ein Diamant 
gefunden worden sein. Der wichtigste, weil edelsteinreichste, Schotterstrom läßt 
sich von Trebnitz über Podseditz bis zur Hasenburg und weiter in der Talfurche bis Ra- 
dovesitz verfolgen. Die Mächtigkeit dieser Schotterablagerung schwankt von 1 6 Meter. 
Der in einer Tiefe von 4 - 7 Metern befindliche „Pyropensand" wird teils in offenen 
Gruben, teils durch Bergbau gewonnen, gesiebt, d. h. von dem feinen Sand und groben 
Schotter befreit. Die mittlere Sorte, welche die Edelsteine enthält, wird gewaschen und 
alsdann die guten Steine ausgelesen. - 



- 58 - 



genden Anteil nehmen. Durch Austausch eines Teiles der Magnesia 
und des Eisen-Oxyduls gegen Wasser, ist aus dem Olivin Serpentin 
geworden. Die Magnesia wird als Karbonat vom Wasser fortgeführt, 
das Eisen-Oxydul dagegen zu Magnetit oxydiert; — durch fortgesetzte 
Verwitterung muß endlich alle Magnesia verschwinden, so daß bloß 
wasserhaltige amorphe Kieselsäure (Halb-Opal) als letztes unangreifbares 
Zersetzungsprodukt zurückbleibt. 

Alle diese Löß-, Lehm- und Schutt -Bildungen werden als dilu- 
viale Ablagerungen bezeichnet; sie enthalten Reste des Mammut, des 
büschelhaarigen Nashornes, des Steinbockes, Renntieres und Höhlenlöwen, 
sowie solche zahlreicher Steppentiere. Seit der Eiszeit ist ein Zeitraum 
von vielen tausend Jahren verflossen, während dessen sich die geologi- 
schen Verhältnisse langsam und stetig verändert haben, eine Grenze 
zwischen dem Diluvium 1 ) und dem Alluvium 2 ) gibt es demnach 
streng genommen nicht. Die diluviale Tierwelt und Pfanzenwelt ist 
teilweise ausgestorben, teils hat sie sich in die nördlichen Gebiete, teils 
auf die Höhen der Alpen und Karpathen zurückgezogen. 

Auf den vom Eis freigelegten Räumen breitete sich von Osten 
und von Süden her eine neue Tierwelt aus. — Gewöhnlich rechnet 
man solche Bildungen, welche wie die Schotter der Hochterassen und 
die Lößablagerungen Knochen von ausgestorbenen oder ausgewanderten 
Tieren der Eiszeit führen, zum Diluvium, während man die jüngeren 
Anschwemmungen der Flüsse und Bäche, die zumeist Reste von 
Menschen und Haustieren einschließen, zum Alluvium zählt. 

Gemeinsam mit Knochen ausgestorbener Tiere der Eiszeit findet 
man auch höchst unvollkommene Waffen und Werkzeuge aus Feuer- 
steinen und Renntierknochen, welcher sich einstens kühne Mammut- 
jäger bedient hatten, die damals die heimatlichen Gefilde durchstreiften. 
Mit diesem nachweisbaren ersten Auftreten des Menschen haben wir 
jedoch jene bedeutungsvolle Grenze erreicht, an welcher Urzeit und 
Gegenwart einander berühren. — 

Auch der Mensch hat es verstanden, verwandelnd und 
umgestaltend einzugreifen in die Entwicklung des Landschafts- 
bildes der Heimat; Burgruinen und Kirchlein zieren die Felsen und 
Bergesgipfel, Schienenwege und breite Straßenzüge erweiterten die Felstore 
des Flbetales, das Bett und die Mündung der Biela wurde künstlich ver- 
legt, kühne Brücken verbinden die Ufer und rasch aufblühende Städte und 
Dörfer breiten sich immer mehr und mehr aus, während die Wälder stetig 
zurückweichen, Moore und Sümpfe hingegen entwässert werden. 

Endlich bedingt auch der Bergbau auf Braunkohle im Aussig- 
Brüxer Becken wesentliche Veränderungen im Relief des Bodens und 

') Diluvium Überl'lutuiijj. '-) Alluvium Anschwemmung. 



- 59 - 



im Landschaftsbilde der Heimat, welche demselben freilich nicht zur 
Zierde gereichen. Jahr für Jahr werden hier durchschnittlich 18,000.000 
Tonnen des kostbaren Materiales zu Tage gefördert, die einem Volumen 
von rund 12,000.000 m 3 entsprechen. Die Kohlen werden hier teilweise 
in Tagbauen gebrochen, teils in Schachtanlagen von sehr verschiedener 
Tiefe dem Boden entnommen. Durch diese Arbeiten werden weit 
ausgedehnte unterirdische Hohlräume geschaffen, welche oft nur von 
einer schwachen Decke überwölbt sind oder auch an Schwimmsand-* 1 ) 
Einlagerungen grenzen, die zuweilen verhängnisvolle Einbrüche zur 
Folge haben.* 2 ) 

So kämpft der arbeitende und denkende Mensch unentwegt mit 
den Kräften der Natur, die er nach und nach besiegt, indem er lernt 
den Gesetzen zu gehorchen, welche die Natur beherrschen. 



* l ) Schwimmsand ist ein sehr feinkörniger, weißer oder grauer Quarzsand, 
welcher so reichlich von Wasser durchsetzt ist, daß die Körnchen darin zu schwimmen 
vermögen. Diese Schwimmsandlager sind meist linsenförmig und erscheinen ringsum 
von wasserundurchlässigem Letten eingeschlossen; die breiartige Masse kann somit nach 
keiner Seite ausweichen und vermag infolge der Unzusammendrückbarkeit des flüssigen 
Elementes jede Last zu tragen. Es kann nun leicht geschehen, daß in nassen Jahren 
die Decken niedergehen und sich größere oder kleinere Bingen (trichterförmige Ein- 
stürze) bilden, die sich mit Wasser füllen oder, was bedeutend gefährlicher ist, daß 
durch Bohrungen und Schachtanlagen der Gleichgewichtszustand eines Schwimmsand- 
lagers gestört wird. Dies bewirkt, daß der Schwimmsand mit ungeheurer Kraft her- 
vorbricht und sich nach den vorhandenen Hohlräumen hin oder auch oberflächlich 
ergießt. Sobald die Masse zum Stehen kommt, beginnt ihre Entwässerung, worauf 
dieselbe endlich so hart und fest wird wie ein wahrer Sandstein. 

* 2 ) Die natürliche Folge der Entleerung eines Schwimmsandlagers ist, daß das 
Hangende derselben zusammenbricht, wie solches am 19. Juli 1896 in Brüx geschehen 
ist. Abends 10 Uhr senkte sich in dem östlichen Teile dieser Stadt der Boden, wäh- 
rend sich zu gleicher Zeit ein sausendes Geräusch vernehmen ließ. Häuser kamen ins 
Wanken, stürzten ein oder versanken in Tiefen bis zu 16 Metern. Glücklicherweise 
erfolgen die meisten derartigen Einstürze fernab von menschlichen Wohn- 
stätten, so daß sie minder verheerende Wirkungen verursachen. 



- 60 - 



Chronologische Übersicht 
der Sediment-Geteine des Mittelgebirges und des an- 
grenzenden Teils des Erzgebirges. (Nach J. E. Hibsch.) 



Zeit- 
alter 


Formation 


Gliederung 


Petrographische Beschaffenheit, 
Leitfossilien, Mächtigkeit, 
Vorkommen etc. 


Plutonische 
Gesteine 


Känozoisches Weltalter 


Quartär- 
Formation 


Alluvium 
Diluvium 


Schottrige Grande, Sand, lehmiger Sand 
(Anschwemmungen der Elbe und Biela) 

10 20 m über dem heutigen 
Nieder- Wasserspiegel der benachbarten 
Terasse Flüsse 

Sande und lehmige Sande, Löß 

Mittel 20-70 m über dem gegen- 
Tpraccp wärtigen Wasserspiegel etc. 
lerasse gr()be Sande mit Qeschieben 

70-200 m über dem gegen- 
Hoch- wärtigen Wasserspiegel etc. 
Terasse Grand und Sand (Ziebernik) 
Geschiebe rostig. Eleph. antiquus 




Tertiär- 
Formation 


Unter-Miozän 

Ober-Oligozän 

Mittel- und 
Unter-Oligozän 


Hangend-Letten, 
Sande, Quarzite, Erdbrandgesteine 

^ 1 Ullt VLH1 1 1 tSLUtll / 

großes Braunkohlenflöz 
Liegend-Schichten 
(Türmitz, Karbitz, Teplitz etc.) 

Tnffit RranHirViipfpr OiatnmppnQphipfpr 

ältere Braunkohlen (schwache Flöze) 
(Ferdinandshöhe, Aussig, Salesel) 


Tinguait 
Trachyt 
Tephrite 
Basalt 
Essexit 
Phonolithe 


Tone, Sande oder Sandsteine 
Blöcke von weißem Quarzit 
(Liegendes der Basaltdecken im Elbtal) 


Mesozoisches Weltalter 


Kreide- 
Formation 


Ober-Turon 

Mittel-Turon 

Unter-Turon 

Ober-Cenoman 
Unter-Cenoman 


bis 200 m mächtige Tonmergel mit 

Inoceramus Cuvieri 
(Wasserhaltende Schichte im Elbtal) 




bis 70 m mächtige Kalkmergel (Plänerkalk) 

Spondylus spinosus 
(Teplitz, Dux, Bilin, Milleschau, Lobositz, 
Leitmeritz) 


am Südrande des Mittelgebirges wenig 

mächtige, sandige Mergel 
nördlich vom Mittelgebirge als Quader- 
sciticistciti sehr ttiächti * entwickelt 
Inoceramus Brongniarti 

am Südrande des Mittelgebirges in Form 
von Kalkmergel in geringer Mächtigkeit 
(Inoceramus Labiatus) 
(Welhotta und Tschernosek) 

Sandsteine und Konglomerate am Süd- 
rande bei Teplitz und Bilin 
Ostrea carinata u. Exogyra columba 
(Fuß des Erzgebirges) 

Mergel und Tone am Südrande 
(von Tschernosek) 


Pa- 
läozoisches 
Weltalter 


Perm- 
Fonuatiou 

Stcinkohlcn- 
Fonnatiou 


Rotliegendes 

Produktive 
Kohle 


Konglomerat 
in Verbindung mit Glimmer und Porphyr 
(Wopparn) 

Anthrazit-Flöz mit Sigillarien 
(Nikiasberg und Brandau) 


Quarz-Porphyr 
Diabas 
Diorit 
Pegmatit 
Granit- Porphyr 


Azo- 
isches 
Welt- 
alter 


Urgebirgs- 
Formation 


Metauiorphe 
Schiefer 


Gneise, Glimmer-Schiefer, Hornblcudc- 
Scliicfer mit Einlagerungen von Ulkalk 
(Erzgebirge u. Krystallinische Inseln) 


Porphyr-Granit 
Granit. 



- 61 - 



Die Bildung der Ackerkrume oder Dammerde 
und deren Bedeutung für die Pflanzenwelt. 

Unablässig saugt die Lippe 

Der Verwittrung an der Felsenklippe; 

Fest Gebundnes muß gelöst zerfallen 

Und da fühlt das Starre Regung, 

Was geruht, bekommt Bewegung, 

Mit dem Bache muß es talwärts wallen. 

Unten wird es Muttererde, 

Ruft der Pflanze : „Leb' und werde, 

Sei Vermittlerin für höh'res Leben!" 

Der Boden, auf welchem unsere Kulturgewächse gedeihen, ist in 
seiner Zusammensetzung in hohem Grade von den darunter liegenden 
Schichten abhängig. Die chemische und mechanische Zusammensetzung 
des Bodens sowie seine Bewässerung und Erwärmung haben den be- 
deutendsten Einfluß auf seine Fruchtbarkeit, d. h. auf die Fähigkeit 
desselben, gewisse land- oder forstwirtschaftliche Kulturpflanzen in 
reichlicher oder doch genügender Menge hervorzubringen. Am aller- 
bedeutendsten erweist sich der Einfluß der geologischen Verhältnisse 
auf die chemische Kraft des Bodens, welcher als die natürliche 
Schatzkammer anzusehen ist, in der alle für die verschiedenen Pflanzen 
unentbehrlichen mineralischen Nahrungsstoffe enthalten sind. 

Die sogenannte Ackerkrume ist die oberste Bodenschicht, in 
welche die Ackerwerkzeuge bei der Bodenbearbeitung und bei der 
Düngung eindringen; unter derselben lagert die Grund erde. Die 
letztere ist das Ergebnis der Verwitterungs-Prozesse der verschiedenen 
Felsarten, welche die Oberfläche der Erde bilden. Ihre Trümmer sind 
oft noch am Orte der Entstehung befindlich, wie die Eluvium- 
Schichten über den Plänerkalken und die Tone über vielen basal- 
tischen Gesteinen; öfter sind sie durch das Wasser weitergeführt, 
geschlemmt und an tiefen Stellen abgesetzt worden. Diese Trümmer 
mischen sich häufig mit Oberresten von pflanzlichen und tierischen 
Organismen, welche teils zufällig, teils absichtlich beigemengt wurden. 

Die organischen Reste befinden sich in langsamer Verwesung 
und bilden den als „Humus" bezeichneten Bestandteil des Bodens. 
Der Humus trägt zwar zur Ernährung der grünen Pflanzen direkt 
nichts bei, seine Wirksamkeit besteht aber darin, daß er den feinen 
Wurzeln das Eindringen in den Grund erleichtert. Er umgibt die 
Wurzelschwämmchen mit einer Hülle von Kohlensäure, die das wirk- 
samste Mittel darbietet, um im Vereine mit dem Wasser den Gewächsen 
die notwendigsten Aschenbestandteile zuzuführen. Die für unsere Kultur- 
pflanzen wichtigsten mineralischen Bodenbestandteile sind: Kieselsäure, 
Phosphorsäure, Kali, Bittererde und Kalkerde. 

Zur Fruchtbarkeit des Bodens ist daher notwendig: 
erstens, daß er die den Gewächsen nötigen Nahrungsstoffe 



- 62 - 



überhaupt enthalte, und zweitens, daß er sie in assimilier- 
barem Zustande enthalte. — Im frischen Gesteine sind sie in letz- 
terem Zustande gewöhnlich nicht vorhanden, vielmehr ist hiezu die 
Vermittelung chemischer Vorgänge notwendig. — Solche Gesteine, 
welche wie die Sande, Sandsteine, Tone und Mergel der Kreide- und 
Tertiär-Formation aus Trümmern von Gesteinen entstanden sind, zer- 
fallen im allgemeinen leichter als die eruptiven Massen. — Die Kiesel- 
säure ist zumeist als Quarz in der Erdkruste verbreitet. Der Quarz 
als solcher kann aber von den Pflanzen nicht assimiliert werden, nur 
die amorphe Kieselsäure; diese findet sich in Gestalt von Diato- 
maceen-Schiefern unter der Ferdinandshöhe, bei Schönpriesen, Sulloditz, 
Sebusein etc. in so beschränkter Ausdehnung, daß sie für die Ernährung 
der Kulturpflanzen nicht in Betracht kommen kann. — Weit wichtiger 
sind die chemischen Verbindungen dieser Säure, die „Silikate", ins- 
besondere: Tonerde -Silikate, Kalkerde -Silikate, Magnesia -Silikate und 
Kali -Silikate, welche als Ton, Feldspat, Glimmer, Augit, Zeolithe etc., 
einen sehr wichtigen Anteil an der Zusammensetzung der im Gebiete 
auftretenden Gesteine nehmen; in kohlensäurehaltigem Wasser lösen sich 
dieselben derart auf, daß sie von den Wurzelfasern leicht aufgenommen 
werden können. Tonerde-Silikate bilden einen wesentlichen Gemengteil 
des Granites, Porphyres, Gneises und mancher jung-vulkanischen Gesteine. 

Alle diese Gesteine, sowie die aus ihnen direkt oder indirekt her- . 
vorgegangenen Sandsteine und Tone der Kreide- und Tertiär-Formation 
enthalten somit Tonerde-Silikate. Da der Orthoklas sowie der Muskovit 
überdies noch Kali-Silikat enthält, so gewähren diese Mineralien im 
verwitterten Zustande auch noch das Kali in leicht assimilierbarer Form. 
Die Feldspate der Basalte — meist Labradorite — enthalten statt des 
Kali die Kalk erde. — Von der Zersetzung der letzteren rührt jener 
Kalkgehalt her, der sich in den vulkanischen Tuffen, Konglomeraten 
und in den aus dem Zerfall der Basalte entstehenden Tonen findet. Die 
Augite und Biotite enthalten die Bitter er de (Magnesia). Die Kalk- 
steine bestehen vorherrschend aus kohlensaurer Kalkerde (Kalk-Karbonat); 
nebst dieser führen sie oft auch Bittererde, Kali und Kieselsäure. Bei- 
mengungen von Sand und Ton verwandeln die Kalksteine in „Mergel". 
Kalke und Tone sind häufig in den Ablagerungen der Kreide-Formation, 
sie fehlen aber auch den Schichten des Tertiärs nicht vollständig. 
Durch die Berührung mit Kalkerde erweist sich der Ton als leicht 
zersetzbar, so daß der Gehalt des Mergels an Kali und Kieselsäure viel 
rascher „aufgeschlossen" wird als dies in reinem Ton der Fall ist. — 
Die Kalke der Kreide-Formation und teilweise auch die Schichten des 
Tertiärs und des Diluviums sind reich an Versteinerungen; sie 
enthalten Schalen von Foraminiferen, Muscheln und Schnecken, Panzer 



- 63 - 



von Stachelhäutern und Krebsen sowie Knochen von Wirbeltieren. 
Alle in diesen Schichten begrabenen Tiere gaben bei ihrem Absterben 
an das sie umgebende Gestein ihren Gehalt an Phosphorsäure ab, 
welchen sie im lebenden Zustande in sich aufgenommen hatten. Da- 
her enthalten alle fossilienführenden Sedimente auch mehr oder weniger 
reichlich Spuren von Phosphorsäure. 

Die ursprüngliche Form, unter welcher sich die Phosphorsäure 
in den primären Gesteinen findet, ist der Apatit, der nebst Fluor- 
und Chlor-Kalzium auch phosphorsaures Kalzium enthält. Es ist dieses 
Mineral ein zufälliger, aber sehr häufiger Gemengteil von Graniten, 
Gneisen und Basalten, in welchem er sich in Gestalt von Mikro- 
lithen* 1 ) findet. - 

Die ersten Pflanzen waren jedenfalls darauf angewiesen, ihren 
Bedarf an Phosphorsäure aus dem Apatit zu beziehen. — 

Je mehr sich das organische Leben aber entfaltete, desto mehr 
Phosphorsäure wurde von demselben aufgespeichert und ging mit den 
Resten der Lebewesen in die sich bildenden Trümmergesteine 
über. So wurde für die Nachkommen die Möglichkeit geschaffen, auf 
einem Boden zu gedeihen, der sonst keine Spur von Phosphorsäure 
enthalten würde. Schwefel beziehen die Pflanzen aus dem Gips, 
welcher oft in Begleitung der leicht zersetzbaren Schwefelkiese 
auftritt. Das Eisen findet sich überdies als Eisen-Oxydul und Eisen- 
Oxyd in vielen Mineralien, z. B. im Orthoklas und Glimmer, in basal- 
tischen Hornblenden und Augiten, in Granaten, im Magnetit, Hämatit, 
Brauneisenstein und Kugeleisenstein u. s. w. Das Steinsalz ist zwar 
für manche Pflanzen entbehrlich, findet sich jedoch ebenfalls sehr ver- 
breitet in dem Erdboden. Es bildet Flüssigkeits-Einschlüsse besonders 
in den Quarzen der Granite, Porphyre und Gneise, häufig enthalten 
dieselben Lösungen von Chlor- Natrium mit mikroskopisch kleinen 
Würfelchen von Steinsalz.* 2 ) 

Jedoch nicht bloß auf die chemische Kraft, sondern 
auch auf die mechanische Zusammensetzung des Bodens 
sowie auf seine Bewässerung und Erwärmung haben die 
geologischen Verhältnisse einen bestimmenden Einfluß. 
So nimmt z. B. sandiger Boden und typischer Löß die Wärme 
rascher auf und läßt sie tiefer eindringen, gibt sie aber auch leichter 

* l ) Winzig kleine nadeiförmige Kryställchen, die in anderen Mineralien einge- 
wachsen sind. 

* 2 ) Die Steinsalz-Einschlüsse der primären Gesteine haben im Laufe der Zeiten 
den Salzreichtum des Meeres schaffen helfen. Die Flüsse und Ströme führen beständig 
Chlornatrium dem Weltmeere zu ; das Wasser verdunstet, läßt aber alle festen Bestandteile 
zurück. Das Steinsalz ist für den Menschen, die Tiere und viele Pflanzen unentbehrlich. 



- 64 - 



wieder ab als der schwere und feste Ton- und Lehmboden. — 
Die hellgrauen Plänerkalke nehmen weniger Wärme in sich auf 
als die meist schwarzen Basalte. Die Basalte, Phonolithe, Porphyre, 
Gneise, Plänerkalke und Sandsteine sind meist sehr reichlich von Kluft- 
wasser durchsetzt. Als wasserhaltende Horizonte treten seltener feste 
Gesteinsbänke auf, dagegen häufiger Basalt -Tuffe, welche durch die 
Verwitterung eine lehmige Beschaffenheit angenommen haben, die Pläner- 
mergel der Kreide-Formation sowie auch die diluvialen Lehme und Latente. 

Nebst der Fruchtbarkeit des Bodens ist für das Gedeihen unserer 
Kulturpflanzen auch ein mildes Klima erforderlich und dieses ist wieder- 
um von den geologischen Verhältnissen abhängig.*) Hätte sich z. B. 
das Aussig -Teplitzer Becken nicht gesenkt, so wäre der Boden des 
Elbe und Bielatales heute um einige hundert Meter höher, hätte somit 
eine geringere mittlere Jahrestemperatur als gegenwärtig. Die Riesen- 
maucr des Erzgebirges, welche zur Tertiärzeit sich erhoben hatte, 
schützt uns ferner einerseits vor rauhen Nordwestwinden, anderseits 
verdichtet sie die Wolken, welche sonst viel häufiger über Aussig weg- 
ziehen würden, ohne den so notwendigen Regen zu spenden. 

So ergibt sich denn in sehr überzeugender Weise, daß zwischen 
der Beschaffenheit des Bodens und den geologischen Verhältnissen 
unserer Heimat gar innige Beziehungen bestehen ; die Bodenbeschaffenheit 
bedingt aber dessen Ertragfähigkeit und von dieser hängt der Wohl- 
stand und die Bildung der Bewohner ab. 

Eine gütige Vorsehung hat durch eine unendliche Reihe von 
Gestaltungen und Veränderungen jene günstigen Bedingungen vor- 
bereitet, welche heute dazu beitragen, daß man den Landstrich, welchen 
wir bewohnen, mit Recht zu den fruchtbarsten und schönsten Gegenden 
unseres Vaterlandes rechnen kann. 

Wäre der kleinste Moment vor Zeiten ein anderer gewesen, 
Müßte der jetzige Moment eben ein anderer auch sein. 
Klage darum nicht bang, daß alles zerfällt und verschwindet, 
Laß durch den ewigen Tod dir nimmer verwirren den Blick! 

-N; 

*) Aussig liegt unter 50° 39' n. Br. und 31° 32' ö. L. von Ferro. Die Durch- 
schnitts-Tempeiatur des 50. Parallcls der nördlichen Erdhälfte ist im Jahre 5'7, im 
Juli 18T, im Januar 7 0 0 C. Aussig ist daher durchschnittlich um 2'8 0 C, im 
Januar sogar um 4-3° zu wann (positive Wärmeanomalie). Die mittlere Seehöhe der 
Stadt (Marktplatz, Sockelstein des Brunnens) beträgt 143*8 m. Neben geographischer 
Breite, Höhenlage, Meeresnähe, ist noch die Bodenwärme maßgebend für das Klima. 
So hat Basalt die spezifische Wärme (HO, Kalk und Mergel 0'21, Torf 051 , Wasser 1. 
Da der Basalt und Mergel vorherrscht, so wird der Boden nicht sehr abkühlend wirken. 

Die Temperatur nimmt mit der Krhebnng ab, an steilen Abhängen bei 100 m 
um ()-() () , bei Hochflächen und sanft aufsteigenden Tälern um 0-5° C. 



- 65 



Schlußwort. 

Im Mauerzwang und Stadtgetöse 
Fühlt unser Geist sich arm und klein, 
Natur! in deines Lichtes Schein 
Erkennt er freudig seine Größe, 
Den hohen Rang: ein Mensch zu sein! 

Das Studium der Geologie ließ uns zurückblicken in die graue 
Vorzeit unserer Heimat, machte uns bekannt mit einer wundervollen 
Kette von Veränderungen, durch welche der heutige Stand der Dinge 
vorbereitet wurde, es lehrte uns die Arbeit auch der kleinsten und 
unscheinbarsten Wesen schätzen, welche ungeachtet ihrer Kleinheit im 
Haushalte der Natur so Großes zu leisten vermochten. Durch die 
Geologie wird uns manche interessante Aufklärung zuteil, die unsere 
Freude an der Natur, unsere Liebe zur Heimat steigert, indem sie un- 
seren Wanderungen einen höheren Genuß verleiht. Die Geologie lenkt 
aber auch unseren Blick bewundernd und dankbar empor zu dem 
allmächtigen Schöpfer alles Gewordenen, zu dem allweisen Lenker aller 
Geschehnisse, sie erfüllt uns endlich mit der zuversichtlichen Hoffnung, 
daß auch der Mensch und die menschliche Gesellschaft immer mehr 
und mehr sich vervollkommnen werden. 

Da dieses Büchlein in erster Reihe die Aufgabe zu erfüllen hat, 
das Verständnis für die geologischen Verhältnisse der Umgebung Aussigs 
bei den Schülern und Schülerinnen der hiesigen höheren Lehr- 
anstalten anzubahnen und zu vertiefen, so habe ich mich bei dessen 
Abfassung tunlichst an die vorzüglichen Lehrtexte von Dr. R. Scharitzer 
und Dr. F. Noe angeschlossen, so daß diese Bücher zugleich als Führer 
bei dessen Lektüre dienen können. 

Es soll aber auch zweitens dem Lehrer der Geographie 
und Naturgeschichte beim Unterrichte manchen erwünschten An- 
knüpfungspunkt bieten an die Vorkommnisse der engeren Heimat. 

Endlich dürften die Abbildungen nicht bloß den Text auf das 
wirksamste unterstützen, sondern selbst dem Fachgeologen will- 
kommen sein; denn es sind durchwegs Neuaufnahmen, welche ich 
dank der namhaften Unterstützung, die mir von der löb- 
lichen Stadtgemeinde Aussig zugesprochen wurde, zu die- 
sem Zwecke unter meiner persönlichen Leitung anfertigen lassen konnte. 

Zum Schlüsse halte ich es für meine Pflicht, allen, welche mich 
bei der Ausführung dieser Arbeit unterstützt haben, den tiefgefühlten 
Dank auszusprechen, insbesondere meinem lieben Freunde, Herrn k. k. 
Gymnasialprofessor Josef Martin für die Durchsicht der Druckbogen 
Und dem Leiter der meteorologischen Station, Herrn Ingenieur C. v. 
Kutschig, für die freundliche Mitteilung der Angaben über die Nieder- 
schlagsmengen, mittlere Temperaturen und Barometerstände. 

Dr. G. Bruder. 



Benützte Literatur. 



Dieses Verzeichnis umfaßt nur einige, für das beschriebene Gebiet besonders 
wichtige und leicht zugängliche Werke allgemeinen Inhaltes. 

1840, Reu ss A. E. : Die Umgebung von Teplitz und Bilin mit einer geognostischen 
Karte und 9 Tafeln. Prag-Teplitz (vergriffen). 

1864, Reuss A. E. : Die Gegend zwischen Komotau, Saaz, Raudnitz und Tetschen 
in ihren geognostischen Verhältnissen. Mit 2 Karten. Prag- 
Teplitz. (Beckers Buchhandlung.) 

1884, Laube Q. C: Geologische Exkursionen im Thermalgebiet des nordwestlichen 
Böhmens. Leipzig, Veit & Comp. Mit 2 Tafeln in Farbendruck. 
(Enthält einen sehr ausführlichen Literatur-Nachweis.) 

1887, Laube Q. C. : Geologie des böhmischen Erzgebirges, II. Teil. (Archiv der naturw. 

Landesdurchforschung von Böhmen, VI. Bd., No. 4.) K 5. 

1895, Fric A. und Laube G. C. : Geologische Karte von Böhmen, Sektion II, Um- 
gebung von Teplitz bis Reichenberg. (Archiv etc., X. Bd. ; No. 1.) 
Maßstab 1:200.000. K 5.60. (Mit Literatur-Nachweis.) 

1894-1904, Hibsch J. E. und Pelikan A.: Geologische Karte des böhmisch. Mittel- 
gebirges. Blatt I.: Tetschen, K 3.60; IL: Rongstock, K 5; 
III.: Bensen, K 4; V.: Großpriesen, K 5.60. Die Blätter: 
Aussig, Salesel, Kostenblatt und Lobositz dürften bald erscheinen. 
Maßstab 1:25.000. (Mit Literatur -Nachweisen bis zur neuesten 
Zeit.) 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Vorwort 3 

Der Stejngrund 5 

Übersicht der Gesteine 8 

Die geologischen Wirkungen des Wassers 8 

I. Die Arbeit des auffallenden Tropfens 10 

II. Die Arbeit des Sickerwassers 10 

III. Die Arbeit des fließenden Wassers 14 

Die Quellen 15 

Die Sedimente und ihre Einschlüsse 18 

Der Steinbruch von Rosental bei Graupen 20 

Die geologische Bedeutung der Lebenstätigkeit der Organismen 22 

Die geologischen Wirkungen der bewegten Luft 28 

Die geologischen Wirkungen des Erdinnern: 

I. Vulkanismus 31 

A. Die primären Gesteine 32 

Tabellarische Übersicht der primären Gesteine des Mittelgebirges und 

des angrenzenden Teiles des Erzgebirges 38 

B. Die vulkanischen Trümmergesteine 39 

II. Gebirgsbildung 40 

III. Schlußfolgerungen aus dem Gebirgsbau 46 

Die Geschichte der Urzeit der Umgebung Aussigs 50 

I. Urzeit oder das archäische Zeitalter 52 

II. Das Altertum der Erde oder das paläozoische Zeitalter 52 

III. Das Mittelalter der Erde oder das mesozoische Zeitalter 54 

IV. Die Neuzeit oder das känezoische Zeitalter 55 

Chronologische Übersicht der Sediment -Gesteine des Mittelgebirges 

und des angrenzenden Teiles des Erzgebirges 60 

Die Bildung der Ackerkrume oder Dammerde und deren Bedeutung für die 

Pflanzenwelt 61 

Schlußwort 66 

Literatur (benützte) 67 

Verzeichnis der Abbildungen. 

Tafel 

Natrolith-Apophyllit und Kalzit-Druse I 

Aufstieg zum Wasserfall bei Wannov II 

Tyssaer Labyrinth III 

Wasserfall im Rockelloch IV 

Felsentor der Elbe im Phonolith-Lakkolith: „Marienberg-Steinberg" a) und b) V 

Kulissen-Profil von Rosental-Graupen VI, VII, VIII 

Partie aus der Ziegelei von Richters Erben IX 

Der Schreckenstein bei Aussig a. d. Elbe X 

Der Porphyr-Steinbruch zwischen Lichtowitz und Klein-Tschernosek XI 

Basaltfelsen zwischen Pokau und Postitz XII 

Der Workotsch oder Ziegenrücken bei Aussig a. d. E XIII 

Der Sperlingstein XIV 

Krebshöhe bei Schönpriesen XV 

Die Gneisfelsen zwischen Libochowan und Groß-Tschernosek XVI 



Berichtigungen. 



Seite 9, 


Tabelle, Kolonne 3, fehlt die Benennung mm. 




» 9, 






5, ,, 


C°. 




„ 20, 


Zeile 


5 


von unten, 


statt Exoggra lies 


Exogyra. 


„ 20, 


Beschreibung zu Fig. 7 


„ Ezoggra 


Exogyra. 


,. 21, 


Zeile 


5 


von oben, 


„ Tafel 4 


Tafel 6, 7, 8. 


22, 




13 


„ unten, 


„ Temparatur ,, 


Temperatur. 


,. 24, 




15 


n oben, 


„ Felssprengende ,, 


felssprengende. 


» 37, 




16 




„ Hiebsch 


Hibsch. 


40, 




18 


n unten, als 


nur einmal. 




„ 51, 




1 


» oben, 


statt archaische ,, 


archäische. 


n 55, 




6 




„ känezoische 


känozoische. 


„ 56, 




13 


„ unten, 


„ kanozoischen 


kanozoischen. 


„ 60, 




7 




„ Glimmer 


Glimmerschiefer. 


„ 64, 




19 




n Eine 


Die. 



aussiger 
Stadt-Museum 



Spital- Platz No. 609/10. 

Reiche Sammlung von Mineralien, Gesteinen und Fossilien 

des Mittelgebirges und östlichen Erzgebirges; 

enthält die 

Originale zur geologischen Karte des bö'htn. jtfittelgebirges 



von 




Dieselben wurden dem Museum von der Gesellschaft zur 
Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in 
Böhmen zur dauernden Ausstellung überlassen. 

Eintritt frei. 



1 1 prof. Dr. G. Bruder, 

Museums-Leiter. 



















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